200. Geburtstag von Adolphe Sax : Berlin tutet gut

Der Erfinder des Saxophons wird am 6. November groß in Berlin gefeiert: 200 Laien und Profis musizieren zum 200. Geburtstag des Komponisten rund um die Gedächtniskirche

Blick auf Dinant, die Geburtsstadt von Adolphe Sax
Blick auf Dinant, die Geburtsstadt von Adolphe SaxFoto: Isabel Guzmán/epd

Vor 200 Jahren erblickt Adolphe Sax das Licht der Welt, im belgischen Städtchen Dinant an der Maas. Sein Vater ist Instrumentenbauer, der Junge wird in der Werkstatt groß, mit elf Jahren schon vermag er selbstständig eine komplette Klarinette anzufertigen. 1841 dann kann er bei der Brüsseler Nationalausstellung eine Erfindung präsentieren, der er, ganz unbescheiden, seinen Namen gegeben hat: das Saxofon, erdacht als kraftvolle Alternative zum Fagott, aber ausgestattet mit der melodischen Geschmeidigkeit eines Cellos.

Hector Berlioz, der Pariser Avantgardekomponist, macht sich begeistert für die Innovation stark. Adolphe Sax’ größter Kunde aber wird zunächst das Militär, das seine Kapellen gerne durch die neuen Saxofone akustisch aufrüstet. Französische Opernkomponisten wie Jules Massenet schätzen das Instrument zwar wegen seiner Fähigkeit zur sinnlichen Melancholie, doch es bleibt ein Exot im klassischen Orchester.

Weltruhm erlangt es erst im Jazz, durch Virtuosen wie Ben Webster, Charlie Parker, John Coltrane oder Lester Young. Das Jazzfest Berlin erinnert in diesen Tagen an Eric Dolphy, der vor 50 Jahren in Berlin gestorben ist. Das Symbolinstrument des genuin amerikanischen Musikstils wird geliebt – und gehasst: Als die Nationalsozialisten ihre rassistische Hetz-Ausstellung „Entartete Musik“ in Düsseldorf inszenieren, zeigt das Plakat einen „Neger“ mit Judenstern und Saxofon.

Der Beliebtheit des Instruments jedoch kann die Hetze nichts anhaben. Denn es gehört längst zur Weltkultur. Und erobert auch die Popmusik: In George Michaels „Careless Whisper“ bläst Steve Gregory das ultimative Schmuse-Solo. Saxofon kommt auch von Sex. Was wäre „Brown Sugar“ von den Rolling Stones ohne das Saxofon?

Groß wird der 200. Geburtstag von Adolphe Sax am 6. November in der Berliner West-City gefeiert: 200 Amateure und Profis beschallen ab 15 Uhr mit ihren goldglänzenden Rüsselrohren eine Klangmeile vom Zoo bis zum Europa-Center, abends gibt es Konzerte mit renommierten Saxofon-Ensembles in der Gedächtniskirche. An deren Ende stimmt die ganze Truppe gemeinsam den Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ an, bevor sich die Künstler zur „Late Night Lounge Music“ in die umliegenden Hotelbars zerstreuen. Das Programm hätte den Jubilar stolz gemacht.

Adolphe Sax konnte den globalen Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr miterleben. Dreimal musste er mit seiner Firma Konkurs anmelden, 1894 starb er verarmt in Paris.

Zum Geburtstag ist im Nicolai-Verlag das Buch "Saxophon. Ein Instrument und sein Erfinder" von Frank Lunte und Claudia Müller-Elschner herausgekommen (152 Seiten, inkl. CD, 34,95 Euro)

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