Zeitung Heute : 2000 Telefonrelais klapperten bei einer Taktfrequenz von fünf Hertz

Horst Zuse erklärt, wie sich die Rechner seines Vaters von 1936 an entwickelt haben – die Zuse KG war die erste Computerfirma in Europa

Horst Zuse

Konrad Zuse begann von 1936 an Computer zu bauen. Im Jahre 1949 gründete er in Neukirchen, Kreis Hünfeld, eine Firma, die Zuse KG. Dort wurden bis 1969 251 Computer im Wert von insgesamt 102 Millionen DM hergestellt. Die Zuse KG war die erste Computerfirma in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Drei besonders bedeutende Rechenmaschinen sollen näher erläutert werden.

Die Maschine Z3 stellte Konrad Zuse am 12. Mai 1941 in Berlin Mitarbeitern der Henschel Flugzeugwerke in allen Komponenten funktionsfähig vor. Die Z3 gilt heute als der erste funktionsfähige, frei programmierbare, auf dem binären Zahlensystem (Gleitkommadarstellung) basierende Rechner der Welt.

Kurzum: Es ist der erste funktionirende Digitalrechner der Welt. Etwa 2000 Telefonrelais klapperten bei einer Taktfrequenz von fünf Hertz, das heißt, ein moderner PC mit einer Taktfrequenz von drei Gigahertz ist rund 600 Millionen Mal schneller als die Z3. Obwohl der Geschwindigkeitsunterschied enorm ist, enthält die Z3 fast alle Komponenten eines modernen Rechners und kann daher als Prototyp heutiger Computer angesehen werden.

Konrad Zuse begann um das Jahr 1955 herum mit der Planung des elektronischen Rechners Z22. Er wollte eine leistungsfähige Maschine auf den Markt bringen, die mit der IBM 650 aus den USA konkurrieren konnte. Es sollte eine kleine, leistungsfähige und preiswerte Maschine mit Elektronenröhren werden. Das Gerät wurde 1958 fertig, kostete rund 180 000 DM und wurde in fünfzig Exemplaren an deutsche Universitäten und Hochschulen verkauft.

Die erste Maschine ging 1958 an die Technische Universität (TU) Berlin. Wolfgang Giloi, TU-Professor für Informationsverarbeitung, sagte einmal, dass diese Maschine die Datenverarbeitung in die deutsche Hochschullandschaft eingeführt habe. Die Z22 war der erste in Serie produzierte Röhrenrechner in Deutschland. Moderne PCs sind aber immer noch etwa 30 000 Mal leistungsfähiger.

Konrad Zuses letzter großer Beitrag zur Computerentwicklung war der im Jahr 1961 auf der Hannovermesse vorgestellte Graphomat Z64. Zuse realisierte hier seine Vision aus dem Jahr 1944, dass seine Maschine auch zeichnen können sollen. Die Z64 wurde durch Lochstreifen gesteuert, die zum Beispiel von der Maschine Z22 erzeugt wurden. Die hohe Zeichengenauigkeit von einem Sechzehntel Millimeter und 16 verschiedene Zeichengeschwindigkeiten eröffneten vollkommen neue Anwendungsbereiche der grafischen Datenverarbeitung. Auch die Computerkunst erhielt den Startschuss mit dieser Maschine und ab 1965 wurde das Gerät Z64 auch in der Bekleidungsindustrie zur Erstellung von Schnittmustern eingesetzt.

Jürgen Alex, Hermann Flessner, Wilhelm Mons, Horst Zuse: „Konrad Zuse. Der Vater des Computers“, Verlag Parzeller, Fulda, 263 Seiten.

Raul Rojas (Hrsg), Die Rechenmaschinen des Konrad Zuse, Springer Verlag, Berlin, 1998, 221 Seiten.

Horst Zuse ,

Informatikdozent an der Technischen Universität Berlin (TUB), hält auch Lehrveranstaltungen und Vorträge über seinen Vater und dessen Rechenautomaten.

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