Zeitung Heute : 24. April 1977

Der Tagesspiegel

BERLINER CHRONIK

Auseinandersetzungen innerhalb der Belegschaft der Borsig-Werke waren offenbar das Motiv für den Anschlag auf den Gammastrahler, den bisher noch unbekannte Täter im Werksgelände verübten. Inzwischen hat die Abteilung Staatsschutz der Polizei die Ermittlungen übernommen. Gestern wurde nochmals versichert, daß keine Umweltschädigung eingetreten sei und dies auch dann nicht möglich gewesen wäre, wenn die Täter die Schutzhülle des Gerätes hätten zerstören können. Bei den Ermittlungen wurde festgestellt, daß die Täter in der Mittagspause durch eine Maueröffnung der schadhaften Werkshalle eingedrungen waren. Sie mußten anschließend noch eine vier Meter hohe Betonmauer im Halleninneren überwinden, um an den Isotopenbunker zu gelangen. Die Täter schlugen vermutlich mit einem Hammer auf den Gammastrahler ein, beschädigten aber den Schutzmantel aus Stahl und Blei nur geringfügig. Das Gerät war erst vor wenigen Tagen in der Firma aufgestellt worden. Es wird zur Materialprüfung von Ventilen für Rohre verwendet, die an die Sowjetunion geliefert werden.

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