Zeitung Heute : 36 Gramm für den ganzen Körper

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Sonnenschutzmittel bieten nur begrenzt Schutz vor UVStrahlen. Zunächst einmal schützen sie zwar für einen gewissen Zeitraum vor Sonnenbrand, senken aber keineswegs das Hautkrebs-Risiko, wie Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation vor zwei Jahren herausgefunden haben. Zweitens werden sie nur selten bereits eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen, was nötig ist, damit ihr Schutz sich entfalten kann. Drittens reiben sich viele nur lückenhaft und – schlimmer noch – viel zu dünn damit ein. Wer den Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme tatsächlich erreichen möchte, muss jedem Quadratzentimeter seiner besonnten Haut zwei Milligramm des Mittels gönnen - oder 36 Gramm für den ganzen Körper. So müsste eine dreiköpfige Familie bei jedem Sonnenbad eine mittelgroße Flasche verbrauchen - „ein richtiger Kostenfaktor“, wie Rüdiger Greinert von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) sagt.

Überdies führt die Angabe hoher Lichtschutzfaktoren (LSF) auf Sonnencremes von 30, 60 oder gar 100 in die Irre: Doppelt so hoch hilft keineswegs doppelt so viel. Bereits bei einem LSF von 10 werden 90 Prozent der UV-B-Strahlen absorbiert, bei einem LSF von 20 sind es 95 und bei einem LSF von 50 rund 98 Prozent.

Der nur noch geringfügig verbesserte Schutz von teueren Mitteln mit so hohem LSF kommt nur zustande, indem mehrere UV-B-Filtersubstanzen kombiniert werden. Gemessen an dem nur geringfügig verbesserten Schutz wird die Haut durch solche Cremes zu stark belastet. Doch mit den teils absurd hohen Lichtschutzfaktoren werde „unheimlich viel Geld verdient“, sagt der Berliner Dermatologe Hans Meffert. Schon deshalb halte die Kosmetik-Branche an ihnen fest. was

SONNENSCHUTZ

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