Zeitung Heute : 4. Multimediawoche: Fragwürdiger Schutz durch Internet-Filter

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Spiel, Spaß und Lernen - das Internet bietet Kindern und Jugendlichen heute Möglichkeiten, von denen Schüler früherer Generationen nur träumen konnten. Doch für manche Eltern scheint das Netz eher ein Albtraum zu sein: 80 Prozent fürchten einen schlechten Einfluss auf ihren Nachwuchs.

Welche Gefahren und Chancen birgt das Internet für junge Menschen? Wie geht man mit pornographischen oder rechtsradikalen Inhalten um? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Expertenrunde aus Bibliothekaren, Pädagogen und Journalisten auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der 4. Multimediawoche der Berliner Kinder- und Jugenbibliotheken. "Wir sind gesetzlich verpflichtet, an den Rechnern der Bibliotheken Filtersoftware einzusetzen", sagte Claudia Lux, Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Leider filtern die Programme auch nützliche Seiten heraus. "Angebote, die das Wort Sex enthalten, sind nicht zwangläufig pornographisch", sagte der IT-Journalist Burkhard Schröder. Hinzu komme, dass clevere User die Filter umgehen könnten.

Lehrer und Dozenten sind für Ulli Engel von der Computerschule BB Jugend und Computer der bessere Filter, denn sie können mit ihren Schülern über negative Inhalte diskutieren. Eine Zensur des Netzes durch Filtersoftware erhöht seiner Ansicht nach "den Reiz für Jugendliche, verbotene Inhalte erst recht anzusteuern."

Damit sie nicht alles glauben, was im Netz steht, brauchen Kinder vor allem Medienkompetenz. Das Internet müsse deshalb noch stärker in den Unterricht eingebunden werden, sagte Bernd Kokavecz, Informatik-Lehrer an der Humboldt-Oberschule in Reinickendorf. Leider fehlten dafür noch die didaktischen Konzepte. Burkhard Schröder kritisierte, dass viele Lehrer nicht bereit wären, sich auf das neue Medium einzulassen. Auch Eltern müssten sich mehr für die Surf-Aktivitäten des Nachwuchses interessieren.

Schröder wies auf die Stärken des neuen Mediums hin: Jugendliche könnten damit neue Lern- und Kommunikationsformen erschließen. "Computerspiele werden zu sehr verteufelt", sagte er. "Kids können heute international vernetzt zusammen spielen und dadurch Kontakt zueinander aufnehmen, das war früher nicht denkbar." Selbst das Chatten wurde von der Runde positiv beurteilt, auch wenn "es dort auch reichlich pubertären Klatsch gibt", wie Ulli Engel meinte.

Das Fazit der Diskussion: Am Medium Internet führt in Zukunft kein Weg vorbei; alle Kinder und Jugendlichen müssten deshalb in öffentlichen Räumen Gelegenheit erhalten, den Umgang mit dem Rechner zu erlernen.

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