40 Jahre Ratschläge : Die Elternbriefe

Moritz verschiebt alles Notwendige gern auf „gleiheich“. Lisa verlangt eine Erklärung, wozu Bäume da sind. Und Marie will wissen, wo der Opa vom Opa ist.

Daniela Martens

Die drei Kinder werden den meisten Eltern von knapp dreijährigen Kindern bekannt vorkommen. Aber Moritz, Lisa und Marie sind die fiktiven Protagonisten eines Elternbriefs des Arbeitskreises Neue Erziehung, kurz ANE.

Seit inzwischen 40 Jahren gibt es die Briefe, zurzeit werden sie an rund 500000 Eltern in ganz Deutschland verschickt. 3,5 Millionen Briefe waren es 2007. In Berlin und 200 weiteren Städten ist das kostenlos, Druck und Versand werden vom jeweiligen Bundesland finanziert. Aber es gibt nicht nur Briefe über kleine Lisas, sondern auch über die kleine Canan aus einer Familie mit türkischen Wurzeln. Diese Blätter sind auf Deutsch und Türkisch.

In Berlin bekommen alle Eltern vier Briefe mit Tipps für die ersten Lebensmonate eines Kindes automatisch nach der Geburt. Danach entscheiden sich rund 70 Prozent von ihnen, Abonnenten zu werden: 46 Briefe bekommen sie dann insgesamt, anfangs monatlich, später in größeren Abständen. Mit David, der schon Spaghetti mit Spiegelei machen kann, enden die Elternbriefe dann nach acht Jahren.

Koordiniert wird die Lebensbegleitung für Eltern und Kinder in einem Kreuzberger Loft-Büro von ANE an der Boppstraße. „Wir sind eine Orientierungshilfe für Eltern und das ist noch genau so wichtig wie am Anfang in den Fünfzigern – trotz, oder gerade wegen der Ratgeberflut“, sagt Gisela Steppke-Bruhn, die seit 25 Jahren an der Entwicklung der Elternbriefe beteiligt ist. Das Vorbild wurde damals aus Amerika übernommen und zunächst nur übersetzt. In den Siebzigern entwickelte der Arbeitskreis eine eigene Version, die regelmäßig aktualisiert wird: Die Elternbriefe des ANE hätten etwa, so Steppke-Bruhn, als Erste den Kita-Besuch auch für unter Dreijährige empfohlen und die Trennung der Eltern thematisiert.Daniela Martens

Informationen unter www.ane.de

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