Zeitung Heute : 5000 Tonnen C02 sparen

Die BSR hat den Nachhaltigkeitskodex unterschrieben und mit Leben gefüllt.

Weniger Lärm, kein Dieselruß, kein Feinstaub: 150 Müllsammelwagen der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) fahren künftig nicht mehr mit Diesel, sondern mit Biogas. Ende des Jahres soll die betriebseigene Biogasanlage in Spandau den Betrieb aufnehmen. Bis zu 60 000 Tonnen Biomüll werden dann dort pro Jahr vergoren – laut Berechnungen der BSR ergibt das genug Biogas, um mehr als 580 000 Tonnen Müll klimaneutral zu transportieren. 5000 Tonnen CO2 will die BSR dadurch pro Jahr einsparen.

Die Biogasanlage ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die BSR Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen will. Der größte deutsche kommunale Entsorgungsbetrieb ist das erste öffentliche Unternehmen, das den Nachhaltigkeitskodex unterzeichnet hat. Mit dem Kodex hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) im Herbst 2011 einen Kriterienkatalog vorgelegt, der dazu dienen soll, „Nachhaltigkeitsleistungen der Unternehmen sichtbar, mit einer höheren Verbindlichkeit transparent und vergleichbar“ zu machen. Laut RNE eignet sich der Nachhaltigkeitskodex für Unternehmen jeder Größe und Rechtsform.

„Im betrieblichen Alltag hat sich durch die Unterzeichnung nicht viel verändert“, sagt BSR-Sprecherin Sabine Thümler. „Für uns war nachhaltiges Handeln auch vorher schon Praxis.“ Nachhaltigkeit umfasst gemäß dem Kodex nicht nur den schonenden Umgang mit Ressourcen, sondern auch unternehmerisches Handeln nach sozialen Maßstäben. „Dazu gehört Tariflohn für die Beschäftigten ebenso wie niedrige Müllgebühren“, sagt Thümler. Die BSR war zudem 2007 das erste landeseigene Unternehmen, das mit dem Land Berlin eine Klimaschutzvereinbarung schloss – und die Ziele erreicht hat; inzwischen gilt die bis 2015 laufende Folgevereinbarung.

Im vor Kurzem erschienenen zweiten Nachhaltigkeitsbericht (abrufbar unter (www.bsr.de/13909.html) sind alle Maßnahmen und Kennzahlen detailliert beschrieben, zum Beispiel: Wie viel Müll das Unternehmen verursacht hat, und welcher Anteil daran als gefährlich einzustufen ist; wie viel Kohlendioxid ausgestoßen wurde; wie viele Mitarbeiter im Berichtszeitraum krank waren; was für die Gesundheitsvorsorge und die soziale Integration unternommen wurde. Sicher sei die Dokumentation aufwendig, sagt Thümler. „Aber um ein Unternehmen nachhaltig zu steuern, muss dieser Aufwand betrieben werden.“

Dass sich die Anstrengungen bisher gelohnt haben, bescheinigt der BSR die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer Stellungnahme zum Nachhaltigkeitsbericht. Es sei gelungen, „den Begriff Nachhaltigkeit mit Inhalt zu füllen und von der Unternehmensführung bis zu den Mitarbeitern auf der Straße greifbar zu machen“, loben die Prüfer. Kritik übt die DUH jedoch an der aus ihrer Sicht viel zu dürftigen Information rund um die neue Wertstofftonne „Orange Box“. Sich solcher Kritik zu stellen, sei auch ein Ansporn, besser zu werden, sagt Thümler.

Der Nachhaltigkeitskodex ist freiwillig, die Unternehmen müssen bei der Unterzeichnung nicht alle Kriterien erfüllen. BSR-Sprecherin Sabine Thümler ist trotzdem von der Wirksamkeit überzeugt. „Solche Selbstverpflichtungen können eine große Eigendynamik entwickeln“, sagt sie und nennt ein Beispiel aus der Entsorgungsbranche: Vor zwanzig Jahren habe die Zertifizierung zum Entsorgungsfachbetrieb begonnen. Heute bräuchten sich Firmen ohne Zertifikat bei Ausschreibungen gar nicht mehr bewerben, da sie keine Chance hätten. „Das Zertifikat hat sich durchgesetzt – obwohl es keine Pflicht ist.“ Barbara Kerbel

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