Zeitung Heute : ’54, ’74, ’90, Ssweitausendsechse

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Sie kommen aus der ganzen Welt, halten ihre Fähnchen in den Wind und klopfen sich stolz aufs Landeswappen. Hier stellen wir Fußballpilger vor, die loszogen, um nah dran zu sein.

Finale grande. Selbstverständlich müssen im letzten Gästeblock dieser WM Italiener zu Wort kommen, schließlich steht die Squadra Azzurra im Finale und ist eigentlich auch schon Weltmeister. Giulio und Elisabetha jedenfalls sind fest davon überzeugt: „Wir sind jetzt seit dem 6. Juni hier, und wir fahren nicht ohne den Pokal nach Hause.“ Die beiden kommen aus dem schönen Universitätsstädtchen Perugia in Mittelitalien. Perugia ist bislang fußballerisch nur dadurch aufgefallen, dass der dortige AC mal kurzzeitig den Sohn des libyschen Staatsführers Gaddafi unter Vertrag hatte – bald aber wird ein gut gelauntes Pärchen durch die Gassen der Stadt ziehen und munter Fußballlieder singen. Vor allem „’54, ’74, ’90, 2006“, das Elisabetha die ganze Zeit vor sich hinsummt – und Giulio wippt im Takt dazu. Nicht nur, dass sie es genossen haben, im Dortmunder Westfalenstadion den Halbfinalsieg ihrer Mannschaft über Deutschland gesehen zu haben, nein. Sie tun auch das, was Jürgen Klinsmann bei der EM 1996 mit der Hymne „Three Lions“ gemacht hat: Sie nehmen den Turnierhit mit und verbreiten ihn zu Hause weiter. Da schließt sich ein Kreis. Giulio lacht reichlich schelmisch, als er sich an die 119. Minute in Dortmund erinnert, fügt allerdings lobend hinzu: „Eure Mannschaft hat wirklich gut gespielt.“ Dann muss er wieder grinsen, weil ihm einfällt, dass sie beim 0:1 inmitten deutscher Fans standen, denen so gar nicht mehr nach Singen zumute war. Schließlich stellt Elisabetha fest, dass die ganze WM super war und ein Erfolg und überhaupt „grandissimo“, dann begibt sie sich zusammen mit Giulio wieder in die musikalische Dauerfreundschaft zu den Sportfreunden Stiller. Es sei ihnen gegönnt. Ciao tutti, a la prossima volta!

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