59. INTERNATIONALE FILMFESTSPIELE BERLIN Start mit den Stars : Oldies und Goldies

Gerne wird an dieser Stelle, wo wir Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, alljährlich Appetit auf das glamouröseste Ereignis des Landes machen, von den vielen schönen Frauen als den besonders funkelnden Stars der Berlinale gesprochen. Doch Hand aufs Herz, wer interessiert sich im Zeitalter der Reich-Ranickis, Walsers, Loriots und Helmut Schmidts noch für schöne Frauen? Eine beeindruckende Phalanx großer reifer Männer der Generation 70 plus hat selbstredend auch die bevorstehende Berlinale aufzuweisen, allein im Regiefach sind es – wenn wir richtig mitgezählt haben – sieben illustre Namen.

Der griechische Meister Theo Angelopoulos (73) präsentiert mit Dust of Time ein Familienepos, das sich über 50 Jahre erstreckt, der Kameramann Michael Ballhaus (ebenfalls 73) ist In Berlin als Regisseur auf die Pirsch gegangen und fragte Prominente nach ihrem persönlichen Blick auf die Stadt, Weltenbummler Constantin Costa-Gavras (75) ist für das zum Festivalabschluss terminierte Immigrantendrama Eden à l''ouest in seine griechische Heimat zurückgekehrt, und Italiens Ermanno Olmi (77) zeigt mit Terra Madre eine Slowfood-Doku. Damit nicht genug: Claude Chabrol (78), der mit einer Berlinale-Kamera geehrt wird, hat mit Bellamy einen mediterranen Krimi im Gepäck, Andrzej Wajda (82) präsentiert mit Tatarak ein Ehedrama, und der Portugiese Manoel de Oliveira hat mit Singularidades de uma rapariga loura, zu deutsch: Eigenheiten eines blonden Mädchens, einen Liebesroman aus dem 19. Jahrhundert verfilmt. Ja, und wo verbrachte Oliveira unlängst seinen 100. Geburtstag? Na, am Filmset natürlich!

Hochprominente blonde und weniger blonde Mädchen sowie faszinierende jüngere Herren hat ein Weltfestival wie die Berlinale natürlich denn doch aufzuweisen, in den Filmen und – für die Dauer des glitzernden Ereignisses ebenso wichtig – auf den rubinroten Teppichen vor den Festivalkinos. Um nur ein paar Blüten aus dem duftenden Riesenstrauß der Berühmtheiten herauszuzupfen: Unter den Damen dürften Kate Winslet, oscar-nominierter Star der Romanverfilmung Der Vorleser, und Monica Bellucci aus dem auch ansonsten starbesetzten Ehe- und Gesellschaftsdrama The Private Lives of Pippa Lee Tumulte unter den Fotografen und Autogrammjägern auslösen, aber die nach längerer Pause wieder in den Hauptrollen bemerkenswerterer Filme auftretenden Demi Moore und Michelle Pfeiffer dürften sich ebenfalls turbulenter Aufmerksamkeit erfreuen: Moore spielt in Happy Tears die Tochter eines senil werdenden Mannes, der sich zum Ausgleich eine exzentrische Geliebte zulegt, Pfeiffer gibt in Chéri eine erfahrene Kurtisane, die einen jungen Mann in die Geheimnisse der Liebeskünste einweiht.

Und was ist mit den jungen Herren der Schöpfung, Abteilung überirdisch schön bzw. interessant? Ganz vorne wäre da Gael García Bernal zu nennen, der in Mammoth einen überbeschäftigen New Yorker Geschäftsmann spielt, aber auch attraktive Akteure wie Stipe Erceg (Der Knochenmann), Keanu Reeves (The Private Lives of Pippa Lee), Ulrich Thomsen (in Tom Tykwers Eröffnungs-Politthriller The International) und der seelenvolle Ralph Fiennes (als gereifter Rahmenhandlungsheld im Vorleser) lassen viele Herzen schneller schlagen.

Jemanden vergessen? Ach, so viele. Manche davon kennen wir professionelle Vorkoster cineastischer Genüsse heute selber noch nicht. Aber nach der Berlinale sind ihre Namen in aller Munde. Und das – der Zauber der Entdeckerlust – soll auch diesmal wieder Ihre und unsere größte Freude sein.

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