Zeitung Heute : 700 neue Ladesäulen für Berlin

Doch nicht überall ist die Aufstellung problemlos.

Marion Döring

Die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2015 soll die Zahl der Elektrofahrzeuge – Pkw, Lkw und Busse – in der Region auf 4000 erhöht und somit vervierfacht werden. Zugleich sollen an die 800 Ladestationen für Elektrofahrzeuge allein im Berliner Stadtgebiet entstehen. Derzeit findet man im sogenannten öffentlichen und halböffentlichen Raum (zum Beispiel auf Parkplätzen von Supermärkten) nur etwa 110 der kleinen Säulen, die an Parkautomaten erinnern.

Doch wie kann es gelingen, diese ambitionierten Ziele binnen zwei Jahren zu erreichen? Thomas Richter, Professor für Straßenplanung und Straßenbetrieb an der TU Berlin, hat mit seinem Team im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums in der Studie „Analyse des Nutzerverhaltens und Raumplanung regionaler Infrastruktur“ die Integration von Ladeinfrastrukturen untersucht. Sein Fazit: „Ich halte das Ziel von 800 Ladesäulen für realistisch, da viele Anbieter – sowohl von Ladestationen als auch von Car-Sharing mit Elektrofahrzeugen – auf den Markt drängen.“ Er glaubt aber, dass der Aufbau der Ladeinfrastruktur nicht so schnell vorangehen wird, wie geplant. „Vielfach gibt es rechtliche Unklarheiten.“

Die Wissenschaftler untersuchten über einen Zeitraum von zwei Jahren unter anderem die Zeitbudgets von Autofahrern: Wo diese wohnen, wo sie arbeiten und an welchen anderen Orten in der Stadt sie sich längere Zeit aufhalten. Die Forscher beschäftigten sich ferner mit Denkmalschutz, mit der nötigen Größe von Parkboxen für die Ladestationen, mit der allgemeinen und speziellen Parksituation und der Verfügbarkeit von Stromleitungen im Stadtgebiet. Aus diesen Daten lässt sich ermitteln, wo Ladestationen überhaupt sinnvoll sind.

Die Studie benennt die noch ungelösten Probleme: Es fehlen schlüssige Konzepte für die optimale Integration der Ladestationen und -parkboxen ins Stadtbild. Ein Hauptproblem scheinen die schwebenden Genehmigungsverfahren für Sondernutzungen des öffentlichen Straßenlandes zu sein. Das Aufstellen von Ladestationen oder das Aufladen der Fahrzeuge gilt als Sondernutzung. Die ist normalerweise gebührenpflichtig, die Stadt beziehungsweise die Bezirke können jedoch für diese eindeutig zweckgebundene Nutzung von einer Gebühr absehen. Nur: Für Regelungen und Bußgelder beim Parken/Falschparken ist wiederum der Bund zuständig. Bund und Stadt müssen sich also einigen, etwa darüber, wie kontrolliert werden kann, dass die Autofahrer den Parkplatz tatsächlich nur für den Ladevorgang nutzen.

„Wir sehen daher die besten Chancen für Ladestationen in der Nutzung des halböffentlichen Raums, etwa auf Parkplätzen von Supermärkten oder in Parkhäusern“, sagt Richter. „Dort können Fahrzeuge zum Beispiel auch über Nacht abgestellt und geladen werden.“ Allerdings gebe es noch keine schlüssigen Geschäftsmodelle für den Betrieb. Die Investition müsse sich rechnen, denn eine Ladestation koste immerhin zwischen 5000 und 10 000 Euro. Marion Döring

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