Zeitung Heute : 71 Jahre und kein bisschen leise

Der Tagesspiegel

Der Stahl-Cellist Bob Rutman genießt derzeit seinen 71. Frühling. Nach zwei Schlaganfällen zieht die alte Nachteule noch immer rauchend um die Häuser: „Es ging mir noch nie so gut!“ Neulich, bei seiner After-Concert-Party in Neubrandenburg, spülte er mit ein paar Wodka ein so großes Stück Marokkaner runter, dass er umkippte. Vorige Woche in der „Lore“ rückte abermals die Ambulanz an, um Bob Erste Hilfe zu leisten. Er hatte sich nach reichlich Drinks und einem Pfeifchen in eine Ecke auf dem Boden schlafen gelegt. Die besorgten Lore-Gäste dachten, „ich bin schon tot“. In der Charité überzeugte der Schelm mit einem glücklich breiten Grinsen seine Ärzte vom Gegenteil und stiefelte von der Notaufnahme auf einen Absacker in den Nachtclub „Eschloraque“. Rutman weihte einst mit den Mark und Bein erschütternden Klängen seiner selbstgebauten Instrumenten-Skulptur das Jüdische Museum akustisch ein. Dass ihm die Exzesse offensichtlich gut bekommen, hört man seiner Musik an. Im Kulturhaus Mitte überraschte er vor einigen Tagen als Modern-Jazzer. Was das zehnköpfige Zeitkratzer-Ensemble jüngst mit Lou Reeds „Metal Music Machine“ anstellte, schafft Bob Rutman an seinem Steelcello spielend allein. Schwer rumorend untermalt er ein ausgezeichnetes Jazz-Trio. Auch heute tritt Rutman wieder an der längsten Bar Berlins („Lore“, Neue Schönhauser Straße, 21 Uhr) auf. Mit dem Italo-Schlagzeuger Nico Lipolis und Rob Hoar, der an der Musikschule Tempelhof Bassklarinette, Flöte und Tenorsax unterrichtet. Eintritt frei. schirm

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