775 Jahre Berlin : Jeder nach seiner Façon

Fast eine halbe Million Menschen ohne deutschen Pass lebt an der Spree. Aus aller Herren Ländern kamen und kommen sie. Berlin tut das gut.

Immer bunter, immer größer. Mit dem Karneval der Kulturen feiert Berlin alljährlich seine internationale Vielfalt. Rund 70 Nationen aus der Stadt nehmen an dem fröhlichen Umzug teil. Das Spektakel lockt – immer zu Pfingsten – rund 700 000 Besucher auf Straßen und Plätze.
Immer bunter, immer größer. Mit dem Karneval der Kulturen feiert Berlin alljährlich seine internationale Vielfalt. Rund 70...Foto: Daniela Incoronato

Berlin war schon immer eine Stadt der Vielfalt, in der spätestens seit Friedrich II. jeder nach seiner Façon selig werden konnte. Die einen wurden angeworben, die anderen kamen als Flüchtlinge oder einfach, weil sie sich hier ein besseres Leben versprachen. Auf Künstler übte die Stadt immer einen großen Reiz aus. Und heute? Berlin ist en vogue – vor allem im Ausland. Zur Zeit leben 486 709 Menschen mit nichtdeutschem Pass in der Stadt (Stand Juni 2012), verteilt auf knapp 200 Nationalitäten. Die „Stadt der Vielfalt“ ist eines der zentralen Themen der diesjährigen Geburtstagsfeier Berlins. Wir stellen einige Nationalitäten vor, die das Leben in dieser Stadt geprägt haben und weiter prägen, es kann – siehe oben – nur ein kleiner Ausschnitt sein.

NIEDERLÄNDER

Sie kamen vor allem als Entwicklungshelfer nach Berlin, als das Land vom Dreißigjährigen Krieg verwüstet und entvölkert war. Das Wissen für einen zeitgemäßen Wiederaufbau und Neuanfang fehlte. Es ist dem „Großen Kurfürst“ zu danken, dass Niederländer ihre Spuren in der Stadt hinterlassen haben. Da er selbst in den Niederlanden zur Ausbildung weilte, der damals modernen und wirtschaftlich erfolgreichen Großmacht – und mit Luise Henriette noch eine Oranierprinzessin heiratete, lag es nah, Knowhow aus den Niederlanden nach Berlin zu holen.

Mit einem holländischen Unternehmer wurde über die Anwerbung von 500 Kolonisten gesprochen, die „sonsten allerhand Kees, Butter und ander Sachen von der Milch zu machen“ verstanden. Brückenbaumeister aus Holland arbeiteten billiger in Köpenick und ließen sich in Holz aus den staatlichen Forsten auszahlen, wovon sie dann Schiffe bauten. Die Friedrichstadt wurde zum großen Teil von dem niederländischen Baumeister Johann Arnold Nehring geplant.

Heute leben rund 4000 Niederländer in der Stadt, die sich bei niederländischen Touristen und Unternehmern wachsender Beliebtheit erfreut. Die Deutsch-Niederländische Handelskammer Berlin vermeldete kürzlich Rang zwei hinter Düsseldorf. So gesehen tragen Niederländer wieder zum Aufbau der Stadt bei.

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