Zeitung Heute : 92 Koffer in Berlin

Peter Greenaways neuestes Werk beim Festival Transmediale 03

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Ein Jahrhundertwerk soll es sein. Vergleiche mit James Joyces Ulysses und Finnegans Wake sowie Zettels Traum von Arno Schmidt werden gezogen, wenn von Peter Greenaways neuestem Projekt die Rede ist. Seit 1995 in konkreter Planung, seit 1996 in Auszügen im Web veröffentlicht, seit 1998 in der Produktion, wird die erste Entwicklungsphase von „Tulse Luper Suitcases“ bei dem Berliner Festival Transmediale 03 gezeigt, das vom 1. bis zum 5. Februar im Haus der Kulturen der Welt stattfindet.

Peter Greenaway selbst wird am kommenden Mittwoch um 16 Uhr über sein geheimnisvolles, multimediales Werk sprechen, sein erster Film nach „Pillow Books“ von 1996. „Tulse Luper Suitcases“ handelt von den ungewöhnlichen, fiktiven Abenteuern des Tulse Luper, der zwischen 1928 und 1989 viel Zeit in Gefängnissen verbringt, in denen er Kunstprojekte entwickelt, wobei auch 92 Koffer eine Rolle spielen. Schauspieler wie Franka Potente, Isabella Rossellini oder Liam Neeson leihen den Bildern ihr Antlitz. Filme, DVDs, Fernsehen, Web, Bücher und eine Ausstellung hat Greenaway in das Projekt einbezogen.

Auch andere Themen der Transmediale 03 zeigen, dass das Festival, das 1988 als VideoNische der Berlinale gegründet wurde, kein digitaler Spielgarten für High-Tech-Junkies und experimentelle Videofreaks ist. Die „wahre Revolution der Bilder findet in der Videokunst statt“, meinte jüngst die „Süddeutsche Zeitung“. 20 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Haus der Kulturen der Welt . Screening Videos, eine Konferenz über die Auswirkungen der Globalisierung auf Kunst und Kultur, Vorträge, Workshops und Performances setzen sich diesmal wieder – trotz akuter Geldnot – mit dem Leben in der digitalen Welt auseinander.

Ein bisschen Abseitigkeit muss sein. Die Kuratorin Franziska Nori vom Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt führt am Sonnabend in die Ausstellung „I love you“ ein: ausgehend vom Computervirus, der vor Jahren die Welt in Atem gehalten hat. Besucher tauchen in die Geschichte der Computerviren ein, können Rechner zum Absturz bringen und die ästhetische Dimension von Quellcodes kennen lernen. Auch schön.meh

Das Programm im Internet:

www.transmediale.de

www.petergreenaway.co.uk

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