Zeitung Heute : A-capella-Gesang statt Jingle Bells

40 Berliner Chöre gestalten das Musikprogramm auf der Schlossbühne in Charlottenburg

Für himmlische Ohren. Damit den Engeln nicht durch brüllenden Lärm aus Lautsprecherboxen die Laune vermiest wird, gibt es vor dem Schloss Gesang von Berliner Chören und Musik des Bläserorchesters. Foto: dpa
Für himmlische Ohren. Damit den Engeln nicht durch brüllenden Lärm aus Lautsprecherboxen die Laune vermiest wird, gibt es vor dem...Foto: picture-alliance/ dpa

Es gibt ein paar Klischees über Weihnachtsmärkte. Zum Beispiel dass aus plärrenden Lautsprecherboxen „Jingle Bells“ in einer Endlosschleife durch die Gassen schallt und den Besuchern die Stimmung gründlich vermiest. Es geht aber auch anders. Auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Charlottenburger Schloss setzen Berliner Chöre auf die Kraft ihrer Stimmen.

Der Chorverband Berlin hat die A- cappella-Ensembles zusammengestellt, eine Institution, die es bereits seit 1901 gibt. Ihre Präsidentin ist die Bundestagsabgeordnete Petra Merkel. Das Chorsingen in der Stadt zu fördern, das hat sich der Verband zur Aufgabe gemacht. In Berlin hat das eine lange Tradition: Carl Friedrich Fasch gründete 1791 die Berliner Singakademie, die älteste Chorvereinigung weltweit. Der Chorverband bietet Fortbildungen für Chorleiter und –sänger an, übernimmt GEMA-Gebühren oder Mietkosten für Proberäume und organisiert Reisen. Zur Leichtathletik-WM 2009 sangen seine Mitglieder während der Eröffnungsfeier im Olympiastadion. In diesem Sommer flogen 200 Berliner Jugendliche zu einem Workshop nach Israel. Nachwuchsprobleme hat der Verband keine. „Wir beobachten bundesweit, dass Singen im Chor wieder cool geworden ist“, sagt Schatzmeister Tony Klemm. Trotzdem sucht der Verband den Kontakt zu Schulen, denn für Nachmittagsangebote wie den klassischen Schulchor fehlt an vielen Einrichtungen Zeit und Geld. Zudem plant der Verband ein Pilotprojekt, um das Singen an Grundschulen zu fördern. „Wir führen Gespräche mit der Senatsverwaltung“, sagt Klemm.

238 Chöre mit etwa 10 000 Mitgliedern versammeln sich unter dem Dach der Organisation, die an den bundesweiten Deutschen Chorverband angeschlossen ist. Chöre, die aufgenommen werden möchten, müssen nur eine Bedingung erfüllen: Sie müssen ein Laienensemble sein, also keinen Gewinn erzielen wollen. Auf dem Weihnachtsmarkt treten etwa 40 verschiedene Chöre auf der Schlossbühne auf: Täglich von 18 Uhr an, freitags von 16 Uhr, am Wochenende von 15 Uhr an.

Das Programm durften die Gruppen selbst zusammenstellen – mit einer Vorgabe: „Traditionelle Weihnachtslieder sollen es sein“, sagt Klemm. Zur Eröffnung singt der Kinderchor der Deutschen Oper. Auch die Berliner Chorfreunde haben sich angekündigt, der Berliner Mozartchor und der Konzertchor der Berliner Pädagogen. Zusätzlich zu dem A-Capella-Programm trifft der Besucher immer wieder auf das sogenannte Weihnachtsmarktorchester. Die 16 Blech- und Holzbläser wandeln in kleinen Gruppen und in historischen Kostümen über das Gelände. Und auch sie setzen auf historische Weihnachtslieder. Stimmungsgaranten eben. Anna Pataczek

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