Zeitung Heute : A ganz a netter Kerl

Franz Maget hat keine Chance in Bayern, aber alle mögen ihn

Mirko Weber[München]

Ein Löwe, dieser Franz Maget, Sechziger-Fan also. Spielt auch selbst Fußball, in der Landtagsmannschaft, nicht schlecht für einen Familienvater seines Alters, und als er wieder mal ein Benefiz-Spiel hinter sich gebracht hatte im Niederbayerischen, hat einer der Gegner von der CSU nachher gefragt, ob er denn nicht mal wiederkommen möge, zum Kicken und zum Ratschen auch. Dann hat der Schwarze sich zu seinen Spezln umgedreht und gesagt: „Des is zwar a Roter, aber a ganz a netter Kerl.“

Das stimmt, der Maget ist nett. So nett ist dieser bald 50-jährige Sozialwissenschaftler, gebürtiger Münchner, dass er selbst dann noch gute Miene macht, wenn das Spiel schon längst an ihm vorbeigelaufen ist. Und das ist es. Das Spiel ist aus. Maget hat am Donnerstag noch die Rentnerversammlung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hinter sich gebracht, danach den Seniorennachmittag der SPD auf dem Münchner Nockherberg und auch noch die Schlussveranstaltung der „Maget-gewinnt-Tour“ ebenda. Es kamen Otto Schily, Christian Ude und Renate Schmidt, die sich, wie der Kanzler, im bayerischen Wahlkampf bisher sehr bedeckt gehalten hatten: Ude war auf Mykonos in den vergangenen Wochen, Schmidt und Schily waren in Berlin. Schröder hat es immerhin einmal nach Kulmbach und ein anderes Mal nach Rosenheim geschafft. Aber da sprach er vor allem von sich selbst. In Schröders Welt kommt Maget nicht vor. Bayern ist längst abgehakt für die Bundes-SPD – wenn es gut geht, kommen die Sozialdemokraten am Sonntag bei den Landtagswahlen über 20 Prozent. An Maget liegt das allerdings kaum. Gut fünfhundert Mal hat er dem Wahlvolk landauf, landab seine Aufwartung gemacht.

Ein netter Mann, hieß es auch da immer. Was macht der noch mal gleich? Franz Maget macht ordentliche Arbeit, nicht erst seit er als Fraktionsvorsitzender der bayerischen SPD im Maximilianeum am vordersten Pult sitzt, das bescheinigen ihm sogar einige seiner Gegner. Aber sie müssen dann auch wieder lächeln, wenn Maget zum soundsovielten Mal die Geschichte erzählt, dass die bayerische Landtagswahl doch sehr dem Kampf David gegen Goliath gleiche. Das, sagt Maget unterwegs immer, gefalle ihm als Beispiel für seine Situation ganz gut, denn er wisse ja schließlich, wie die Geschichte ausgegangen sei. Selbst Genossen fällt es da schwer, auch nur zu grinsen, denn die Analogie hinkt. Diese Geschichte wiederholt sich nicht. Nicht in Bayern und gleich gar nicht in diesem Jahr, wo Maget weniger für seine bescheidenen Vorschläge zur sozialdemokratischen Reformierung des Freistaates vom Wähler mit Nichtachtung gestraft werden wird, sondern vor allem für das Bild, das die Bundespartei abgibt.

In den letzten zwei Wochen ist dann aber doch vermeintliche Hilfe aus Berlin gekommen: Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe hat sich in München enthusiastisch für jenen Transrapid Richtung Flughafen eingesetzt, den Maget lieber nicht gebaut sähe. Schwer, in solchen Augenblicken die Ruhe zu bewahren, aber Maget hat sie. Er kann Ungemach einfach weglächeln. Maget ist eben Parteisoldat, ein politisches Tier ist er nicht.

Gleichwohl ist er unlängst doch einmal aus der Haut gefahren. Das war nach dem eher seltsamen Gastspiel von Otto Schily vergangene Woche: Schily hat Maget geoutet – als potenzielles Opfer der jüngst in München mit großen Mengen Sprengstoff festgenommenen Neonazis. Mit rotem Kopf betonte Maget, er hätte die Sache lieber nicht an die große Glocke gehängt gehabt. Was ihn aber mehr aufbrachte, war die Reaktion des von ihm leidlich geschätzten bayerischen Innenministers Günther Beckstein von der CSU. Der nämlich sprach von einer „reinen Wahlkampfaktion der SPD“ – Beckstein, der Maget zuvor zum Begleitschutz geraten hatte. Das hat Maget empört, da war er Löwe und schlug zurück. Als „ungeheuerlich“ und „makaber“ bezeichnete er Becksteins Einwurf.

Am Sonntag braucht er viel Glück, wenn er wenigstens seinen Wahlkreis Milbertshofen gegen die alte Widersacherin, die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, verteidigen will. Beim letzten Mal siegte Maget mit gerade mal 325 Stimmen Vorsprung. Die große Niederlage im Land hat Franz Maget schon eingerechnet. Milbertshofen wäre ein kleiner Sieg. Aber es wäre einer.

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