Zeitung Heute : A-Klasse von Mercedes-Benz: Vom Umfaller zum Bestseller

Ingo Dahlern

Selten war die Markteinführung eines neuen Autos so gut vorbereitet, wie damals bei der A-Klasse von Mercedes-Benz. Und als sie dann Mitte Oktober 1997 endlich bei den Händlern stand, da lagen bereits mehr als 100000 Vorbestellungen vor. Doch dann kam alles ganz anders als erwartet. Kaum im Handel, kippte eine A-Klasse in Schweden bei einem sogenannten Elch-Test um. Nach den Gesetzen der Physik war das alles andere als spektakulär, denn alle Autos sind bei Wedeltests und Ausweichmanövern - und zu denen gehört auch der Elch-Test - zwischen Tempo 60 und 80 besonders kippgefährdet. Doch die Sensation, dass ein Mercedes, der bis dahin als eines der sichersten Autos der Welt angepriesen worden war, umkippte, verstellte den meisten den Blick auf die wahren Ursachen. Und da man bei Mercedes-Benz auch noch unsicher reagierte, wurde aus dem eben noch so glanzvoll dastehenden A-Klasse-Mercedes plötzlich ein unerwarteter Versager. Kaum jemand interessierte sich dafür, dass man jedes Auto, selbst einen Formel-1-Boliden, umkippen kann und das Umkippen der A-Klasse, die sich bis dahin bei allen Fahrerprobungen als extrem stabiles Auto erwiesen hatte, beim Elch-Test ein Resonanzeffekt war, die Physik uns einen bösen Streich spielte, wie der Tagesspiegel bereits am 2. November 1997 vermutete. Der "Elch-Test" wurde zum geflügelten Wort und das Schicksal der A-Klasse, deren Auslieferung knapp vier Wochen nach dem glanzvollen Start gestoppt wurde, schien besiegelt.

Doch nach der ersten Verunsicherung reagierte man bei Mercedes dann schnell. Um jedes Risiko auszuschließen, beschloss man, neben Veränderungen bei Fahrwerk und Reifen dem bei seinen ersten Gehversuchen so arg verunglückten Baby-Benz auch noch die gerade für die Oberklasse eingeführte Fahrdynamikregelung ESP (Electronic Stability Program) als Serienausstattung mit auf den Weg zu geben. Das wäre zwar nicht nötig gewesen, hatte aber den erfreulichen Effekt, dass diese aufwändige Technik sich nun mit einer sonst nicht vorstellbaren Dynamik durchsetzte - in allen Fahrzeugklassen und auch bei Herstellern, die das eigentlich nicht vorgehabt hatten.

Doch nicht nur ESP setzte sich durch, sondern mit ihm auch die A-Klasse. Denn als die Debatte um das Kippen beim Elch-Test endlich wieder sachlicher wurde, zeigte sich schnell, dass dieses Auto ein guter und mit ESP ein besonders guter Wurf war. Und tatsächlich ein Fahrzeug, das bei der Sicherheit neue Maßstäbe setzte. Zwar waren viele Interessenten nach der großen Verunsicherung noch zögerlich, doch schließlich siegte die Vernunft. Und aus dem Stehaufmännchen A-Klasse wurde mit immer größerem Tempo ein Bestseller. Denn bis heute sind bereits 550000 Exemplare verkauft worden und auf vielen Märkten ist der kleinste Mercedes der Größte bei den Verkaufszahlen.

Nun soll er noch attraktiver werden. Denn schon im nächsten Monat rollt eine Ende Februar erstmals in Genf gezeigte in Design und Technik überarbeitete Version zu den Händlern. Obwohl es nur kleine Änderungen in der Optik gibt, haben die eine große Wirkung. Denn der horizontal lang gestreckte Lufteinlass in der neuen Frontschürze, eine neue Kühlermaske mit nun vier Querlamellen und die integrierten auswechselbaren Schutzleisten im vorderen Stoßfänger lassen die ein wenig stärker gepfeilte Frontpartie trotz unveränderter Maße für Breite und Höhe optisch breiter und kraftvoller erscheinen. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die neuen stark glänzenden Scheinwerfer in Klarglasoptik. Breiter wirkt auch das Heck mit neuen Stoßfängern und Rückleuchten mit Brillant-Effekt und die Keilform der Silhouette wird betont durch Schutzleisten auf den Türen. Die Ausstattungslinien Elegance und Avantgarde haben zudem Türgriffe und Schutzleisten rundum in Wagenfarbe und neu gezeichnete Leichtmetallräder.

Mit vielen neuen Details und besonders hochwertig präsentiert sich auch der Innenraum, mit einer neuen Instrumententafel mit weicher sich angenehm anfühlender Oberfläche, neu gestalteten Türverkleidungen und einer neuen Mittelkonsole mit einer Dekorblende mit Metalleffekt, Edelholzfurnier oder Aluminium und neuen zugleich neu platzierten Bedienelementen - Autoradio und die wichtigsten Tasten oben und Klimatisierung unten. Das neu gestaltete Dreispeichen-Lenkrad ist nun höhenverstellbar. Zur Wunschausstattung gehören künftig eine Klimaanlage mit Steuerung durch einen die Luftfeuchtigkeit messenden Taupunktsensor, Windowbags, ein Regensensor, automatisch abblendende Innenspiegel und eine beheizbare Scheibenwaschanlage.

Während die Benzinmotoren unverändert bleiben, haben die beiden Common-Rail-Diesel im A 160 CDI und A 170 CDI mit 55 und 70 kW (75 und 90 PS) um bis zu 25 Prozent mehr Leistung bei nur minimal erhöhten Verbräuchen von 4,8 und 4,9 l/100 km. Das ESP der vierten Generation ist erstmals mit einem hydraulischen Brems-Assistenten kombiniert. Während die A-Klasse nach dem Facelift rund drei Zentimeter länger ist, wird es künftig auch eine im Radstand und der Länge um 17 Zentimeter gewachsene Langversion geben. Und im Spätherbst soll sogar eine besonders sportliche AMG-Version mit rund 110 kW (150 PS) erscheinen.

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