Zeitung Heute : Ab 18 Uhr wird’s ruhig

Die Händler im Norden nutzen die neuen Ladenöffnungszeiten kaum

Rainer W. During

Rund um die Uhr einkaufen, das ist in Frohnau oder Hermsdorf nur theoretisch möglich. Was das neue Ladenschlussgesetz den Händlern auf dem Papier ermöglicht, setzen diese in der Praxis kaum um. Wer im Norden Berlins zu fortgeschrittener Stunde einkaufen möchte, hat schlechte Karten. Die Nachfrage, so heißt es überall, sei einfach zu gering.

Aber auch morgens lassen sich viele Händler Zeit damit, ihre Geschäfte zu öffnen. Der Zeitungsladen am Zeltinger Platz ist zwar der Erste. Er öffnet schon um fünf Uhr früh seine Pforten. In manchen Fachgeschäften aber werden die Jalousien dagegen erst fünf Stunden später hochgezogen.

Nahezu einig ist man sich dagegen, was die Schlusszeiten betrifft. Zwischen 18 und 19 Uhr machen fast alle Läden wieder dicht. Auch am Sonnabend stellen selbst die großen Drogerieketten Drospa und Schlecker ihren Verkauf spätestens um 14 Uhr ein. Die Parfümerie Douglas schließt montags bis freitags um 18.30 Uhr. „Wir hatten früher bis 19 Uhr geöffnet, aber in der letzten halben Stunde kam niemand mehr“, sagt eine Mitarbeiterin.

„Länger zu öffnen lohnt sich nicht“, heißt es im Modegeschäft von Ingo Grosse, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Frohnauer Geschäftsleute. „Ab 18 Uhr wird es hier sehr ruhig“, sagt auch Ingeborg Mauruschat, die ebenfalls ein Modegeschäft besitzt. Feinkost John schließt um 19 Uhr, sonnabends um 14 Uhr. „Danach ist es wie leergefegt“, beschreibt eine Verkäuferin die Situation.

Aber die Kunden sind mit dem Angebot auch so zufrieden. „Vor halb elf wacht Frohnau nicht auf und abends werden die Bürgersteige hochgeklappt“, meint eine Kundin im Schreibwarengeschäft. „Wenn die Frohnauer bummeln wollen, dann fahren sie in die Innenstadt.“ Nur die großen Lebensmittelketten halten sich an die von ihren Zentralen stadtweit verordneten Verkaufszeiten. Reichelt am Zeltinger Platz bittet selbst sonnabends bis 20 Uhr zum Einkauf. Der Edeka-Markt am Ludolfinger Platz öffnet seit Jahresbeginn sonnabends bis 18 Uhr – und die Kunden scheinen sich langsam an das erweiterte Angebot zu gewöhnen. Eine weitere Ausdehnung gar bis 22 Uhr sei jedoch noch kein Thema.

Das gleiche Bild bietet sich auch in der Heinsestraße. Vom „Brillenbär“ über den Fotoshop bis zum Naturkostladen „Wurzelstube“ ist in der Einkaufsmeile der Hermsdorfer werktags zwischen 18 und 19 Uhr sowie sonnabends zwischen 13 und 14 Uhr Feierabend. „Wir haben es immer wieder einmal probiert, aber es lohnt sich nicht“, sagt Wein- und Feinkosthändler Nikolaus Michaelis. Wegen der spärlichen Gastronomie gebe es kaum Laufkundschaft. „Hier hat jeder ein Häuschen, die Leute bleiben abends lieber daheim.“ Eine Ausnahme bildet in Hermsdorf nur der Supermarkt, der hier Kaiser’s gehört. Er hat an sechs Wochentagen von 8 bis 20 Uhr geöffnet.

Sicher würde mancher, der spät von der Arbeit kommt, auch am Abend einkaufen, meint Buchhändlerin Heike Marlinghaus. Sinnvoll sei eine Spätöffnung aber nur, wenn sich alle Läden beteiligten. Doch die Nachfrage ist gering, sagt Wolfram Thumm, Chef des Vereins Hermsdorfer Geschäftsleute. Immerhin kann er anlässlich des Kiezfestes Ende Juni ein Mitternachtsshopping in Hermsdorf ankündigen.

Wer seine spätabendliche Kauflust bis dahin nicht zügeln kann, hat es nicht weit zu den großen Reinickendorfer Shopping-Centern: Die Nordmeile am Oraniendamm zum Beispiel ist lediglich einen Katzensprung entfernt.

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