Zeitung Heute : Ab Donnerstag nimmt "Gold" den Internet-Shopper an die Hand

Ulrike Simon

Jedes neue Medium braucht ein altes, um sich zu erklären, lautet eine Medienweisheit. Zeitschriften wie "Online Today", "Computer Bild" oder "Tomorrow" sind Beweise für diese Theorie. Einen neuen Beweis dafür liefern will ab Donnerstag "Gold", Internet-Portal und 14-tägliche Zeitschrift in einem. Beide "Gold"-Medien zusammen verstehen sich als "Stiftung Warentest" des Internet, als "Wegweiser im Einkaufs- und Dienstleistungsdschungel des World Wide Web". Die Idee: Mit Hilfe eines Expertenpanels aus rund 1000 Testern, das nach einem gemeinsam mit der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) entwickelten System Online-Shops und -Dienstleister testet, soll der Verbraucher sicher, bequem und schnell im Netz einkaufen können. Im Zusammenspiel von Print und Online setzt "Gold" außerdem auf den Erfolg der "Gold-Link-Zahlen": Vergleichbar mit Show-View steht hinter jedem von der Zeitschrift empfohlenen Produkt eine Zahl, mit deren Hilfe sich der Nutzer ohne Umweg unter goldguide.de einwählen kann, um dort das entsprechende Angebot zu finden. Entwickelt wurde diese Idee von den "Gold"-Gründern Werner Marcinowski, Kurt Weichler und Olaf Deininger - alle drei übrigens Gründer und ehemalige Macher der Stadtillustrierten "Prinz".

Die Ziele der "Gold"-Mannschaft sind nicht gerade niedrig gesteckt. Beim Web-Auftritt hofft sie mittelfristig auf drei Millionen Page-Impressions im Monat. Von der nach Art einer Programmzeitschrift gestalteten Printausgabe (2 Mark 70) sollen vom Start weg mindestens 300 000 Exemplare einen Käufer finden. Dank zweistelligem Millionenbetrag für Werbung der Agentur Springer & Jacoby und angesichts von 16 Millionen Deutschen mit Internet-Zugang dürfte das kein Problem sein, glaubt Weichler, der früher auch Chefredakteur des mittlerweile eingestellten "Wiener" war und zuletzt beim Bauer Verlag die kaufmännische Seite des Printgeschäfts kennen lernte.

Ungewöhnlich ist die Eigentümerstruktur der PopNet CrossMedia. Neben der neu an der Börse notierten PopNet Internet AG, der ein Viertel des Verlages gehört, sind weitere Gesellschafter mit 33,9 Prozent die "Gold"-Gründer und Herausgeber Thomas Spar und die Brüder Werner und Edmund Marcinowski. Die Commerzbeteiligungs-GmbH hält 0,2 Prozent. Weichler, Online-Objektleiterin Stephanie Heinecke und Chefredakteur Deininger gehören je zwei Prozent. Die restlichen 24,9 Prozent der Anteile sicherte sich der Otto Versand. Hier hofft der Verlag,dass von den 22 Millionen Privatadressen des Otto Versands wenigstens 2000 zu Abo-Anschriften der Zeitschrift "Gold" werden. Redaktionelle Unabhängigkeit und Objektivität sei trotz Otto Versand gewährleistet, versichern die Macher, da sämtliche Gesellschafter nur über Minderheitsbeteiligungen verfügten. Schützenhilfe beim Druck der Zeitschrift und der Vermarktung der Website hat sich "Gold" übrigens beim Axel Springer Verlag geholt, der selbst jedoch nicht am Unternehmen beteiligt ist.

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