Zeitung Heute : Ab in die Mitte

Die Anziehungskraft der Innenstädte erreicht die Randbezirke: Familien zieht es ins Zentrum

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Sie wollen im Zentrum wohnen, aber trotzdem ruhig und im Grünen: Junge Familien zieht es seit ein, zwei Jahren wieder verstärkt vom Stadtrand in das Zentrum. Vor allem die Familienkieze in Mitte und Prenzlauer Berg sind gefragt, hat Maik Kettner beobachtet. Er ist in diesen Ortsteilen zuständig für den Immobilienvertrieb der Berliner Volksbank.

„Ein interessanter Menschenschlag ist hier hingezogen, dadurch setzt eine Eigendynamik ein.“ Vielen sei es am Stadtrand zu langweilig, gefragt seien Standortfaktoren wie Urbanität und ein intensives soziales Umfeld, meint Kettner. Er hat für die Berliner Volksbank eine Immobilie in der Strelitzer Straße vermarktet – eine Kombination aus Alt- und Neubau. Fast alle Einheiten seien sofort verkauft worden. „Es ist ein Grundstück mit viel Grün drum herum, begrenzt durch den Friedhof der Elisabeth-Kirche und gegenüber gibt es einen großen Spielplatz.“

Gerade Eltern bevorzugen Ecken, die Kindern beim Schritt vor die Tür nicht gleich gefährlich werden können. Forscher, Kommunalpolitiker und Umzugsunternehmer beobachten den Trend schon seit längeren. Familien und Senioren fühlen sich in den Citybezirken wieder wohler als im Umland. Bereits Ende des vergangenen Jahres veröffentlichte das Deutsche Institut für Urbanistik eine Studie, die belegt: Die Vorzüge der Stadt werden neu entdeckt, zumal es zum Teil auch neue Vorzüge sind. Denn früher stand Wohnen im Zentrum für Begriffe wie Lärm und Gestank. Inzwischen gibt es in der Stadt indes kaum noch Industrie.

Mit der Entwicklung von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft sind die Belästigungen früherer Zeiten kein Thema mehr. Nicht nur gut Verdienende und Kinderlose bevölkern daher die Kieze, sondern zunehmend auch wieder junge Familien – sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Zwar existiert keine verlässliche Statistik darüber, wie viele Familien aus Berlin wegziehen, weil sie keine angemessene Wohnung finden. Doch haben es Familien mit vier oder fünf Kindern nachweislich schwer, eine Eigentumswohnung in der Stadt zu finden.

Die Anziehungskraft der Innenstadt erklärt sich aus einem sehr praktischen Grund, sagt Maik Kettner: „Sie haben kürzere Wege zur Arbeit“. Inzwischen seien in Mitte und Prenzlauer Berg Mitarbeiter aus dem Parlamentsbetrieb oder aus den Medien stark vertreten. Und gerade dieser Klientel ist das Theater oder das Museum um die Ecke ebenso wichtig wie kurze Wege, Restaurants und Kneipen nahebei. Und zwei Autos – wie sie beim Wohnen in Randlagen die Regel sind – kann man sich hier auch gleich sparen. Ein (S-)Bahnhof, Taxistand, die U-Bahn, Tram und der Flughafen sind immer irgendwie in der Nähe oder schnell erreichbar.

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