Zeitung Heute : Ab in die Wüste

Bald könnte der Transrapid über die Sanddünen der reichen Golfstaaten schweben

Moritz Döbler

Bei Schröders Reise in die Golfregion geht es vor allem um gute Geschäfte. Welche Chance haben deutsche Unternehmen beim Transrapidprojekt, das eine Bahntrasse entlang des Persischen Golfes vorsieht?

Es war im Oktober 2003, als der damalige Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer im Kanzler-Airbus saß und Journalisten beschied, es sei noch viel zu früh, über eine Transrapid-Strecke am Persischen Golf nachzudenken. Das Thema liege zwar in der Luft, sei aber hochsensibel. „Erst müssen wir China hinkriegen“, sagte er damals.

Jetzt ist es nicht mehr zu früh: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist am Sonntag wieder in die Region gereist und wird diese Woche in Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, im Jemen, in Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gespräche führen. Begleitet wird er unter anderen von Vertretern der Transrapid-Hersteller Siemens und Thyssen-Krupp sowie von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Im Gespräch ist zunächst der Bau einer Transrapid-Trasse von Katar über eine Meeresbrücke ins benachbarte Bahrain, die aber verlängert werden könnte. Der Golfkooperationsrat erwägt eine insgesamt 2000 Kilometer lange Strecke von Kuwait im Norden bis nach Oman im Süden. Die Firma Dornier soll auf der Kanzler-Reise mit der Ausarbeitung einer Konzeptstudie für dieses Großprojekt beauftragt werden. Die Anrainerstaaten lassen derzeit prüfen, welche Strecken und technische Systeme dafür in Frage kommen. Das Projekt wird auf ein Gesamtvolumen von 5,7 Milliarden US-Dollar geschätzt, für die Planung werden zwei Jahre veranschlagt, für den Bau vier Jahre.

Für die kurze Verbindung Bahrain-Katar hat ein deutsches Konsortium ein Angebot für den Bau einer Transrapid-Strecke vorgelegt. Die Gruppe, der die Deutsche Bank angehört, steht unter Führung des bayerischen Technologieunternehmens IABG, das für die Durchführung der Transrapid-Erprobungsstrecke im Emsland verantwortlich ist.

Der Kleinstaat Katar ist halb so groß wie Hessen und dürfte bald das reichste Land der Welt sein. Neben Erdöl verfügt Katar über Erdgasvorräte, die für mindestens 150 Jahre reichen.

Angesichts des Potenzials am Golf gibt sich der Kanzler-Tross zurückhaltend: „Die Staaten, um die es hier geht, haben Pläne über sehr große Strecken bezüglich der Verbindung ihrer Länder. Es geht um sehr große Distanzen. Man ist noch nicht entschieden, welche Technologien man zu Grunde legen will“, hieß es vorab.

Doch aus der Delegation von Innenminister Otto Schily (SPD) verlautete bei einem Katar-Besuch, dass während der Kanzler-Reise eine Absichtserklärung für den Transrapid unterzeichnet werden soll. Aus diplomatischen Kreisen war zu hören: „Die Chancen für einen Bau stehen gut.“ Zudem plant Thyssen-Krupp eine Dependance in Katar.

Den Transrapid in China haben die Deutschen hingekriegt. Der Magnetzug gleitet schon länger als ein Jahr auf der 30-Kilometer-Strecke vom internationalen Flughafen Pudong in die Hafenmetropole Schanghai, wenn auch schwach ausgelastet. Nur acht Minuten braucht er dafür. Eine Verlängerung um etwa 160 Kilometer in die Nachbarmetropole Hangzhou – dort findet 2010 die Weltausstellung statt – ist in Planung. Die Regierung hat aber noch kein grünes Licht für das Projekt gegeben.

Nur war der Transrapid in China nicht frei von Kritik. Ministerpräsident Wen Jiabao gab zu Protokoll, er halte die Technologie für „technologisch unausgereift“. Erst einheimisches Personal habe das Projekt auf ein ordentliches technisches Niveau gebracht. Zwischenzeitlich waren mehrere Fahrbahnstützen auf sumpfigem Untergrund abgesackt.

Die lange Strecke von Schanghai nach Peking, auf die man hier gehofft hatte, scheint vom Tisch zu sein. Von Pierer hatte erklärt, China präferiere dafür die Rad-Schiene-Technik. Chancen könnte es dabei für den ICE 3 geben. Großbritannien plant schon eine 800 Kilometer lange Trasse London-Glasgow, bei der die Transrapid-Technologie im Rennen ist.

In Deutschland ist der Transrapid – von der Strecke im Emsland abgesehen – bisher nicht auf die Stelzenbeine gekommen. Die Münchner Verbindung zwischen Flughafen und Hauptbahnhof ist nach Darstellung der Grünen wegen steigender Kosten wieder gefährdet. Dagegen setzt Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) auf das Zustandekommen des Projekts und auch in der Wirtschaft heißt es, wer die Technologie international vermarkten wolle, brauche eine vernünftige Referenzstrecke. Fotos: pa/dpa (2) / Montage: Buddrich

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