Zeitung Heute : Abbau von Papierkörben: Im Grunewald funktioniert es

Der Tagesspiegel

Berlin. Im Zuge von Sparmaßnahmen wurden in Spandau die Zahl der Mülleimer in den Grünanlagen verringert. Die Reaktionen darauf sind geteilt. Im Bezirksamt laufen die Telefonleitungen heiß seitdem vor zwei Wochen beschädigte Papierkörbe in den Grünanlagen abgeholt und nicht ersetzt worden sind. „Das könnt ihr doch nicht machen“, zitiert Baustadtrat Röding einige der unzufriedenen Stimmen. Konkrete Beschwerden, dass beispielsweise ein bestimmter Papierkorb vermisst würde, seien jedoch nicht geäußert worden. Auf Spielplätzen und auf den Badewiesen sollen sie ohnehin erhalten bleiben. Dass ein Konzept aufgehen kann, das die Müllentsorgung vom Bezirk in die Hände der Spaziergänger legt, zeigt das Beispiel Grunewald. Hier wurden Mitte der neunziger Jahre achtzig Prozent der Mülleimer im Wald abmontiert; sie dienen nun als Ersatzteillager. Allerdings wurden die Müllbehälter am Grunewaldsee und an den Waldeingängen konzentriert.

„Nach dem plötzlichen Verschwinden der Mülleimer hinterließen die Spaziergänger an den Plätzen, wo früher Mülleimer standen, noch mehr oder weniger große Haufen“, erinnert sich Marc Franusch, Pressesprecher der Berliner Forsten. Doch nach einer gewissen Übergangszeit habe sich das Müllaufkommen tatsächlich halbiert. Das Thema Müllentsorgung bleibt auch im Bezirk Mitte ein Dauerbrenner. In der Grillsaison scheint es besonders aktuell. Ein neues Gutachten beleuchtet die Situation im Tiergarten nun genauer. „Wir suchen den goldenen Mittelweg“, erklärt Bauamtsleiter Harald Büttner. Es werden keine neuen Mülleimer aufgestellt – wie dies etwa in Reinickendorf passiert – und es werden keine abgebaut. Das Gutachten bringt aber dennoch neue Impulse: Die Mittagsstunden wurden als „Müll-Stoßzeit“ entlarvt. In dieser Zeit strömt nämlich die arbeitende Bevölkerung aus der Umgebung in den Tiergarten. „Über diese Stammgäste freuen wir uns sehr“, betont Büttner. Sie entsorgten die Abfälle zumeist in die Papierkörbe. „Wenn diese Besucher ihr Butterbrotpapier im Büro oder zu Hause wegwerfen würden, bräuchten wir die Körbe vielleicht nur jeden zweiten Tag zu leeren.“ Ulrike Granass

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