Zeitung Heute : Abenteuer durch die Zeit

BERTRAM KÜSTER

Selten waren sich die Fans von PC-Spielen so uneins wie dieser Tage. Gleich zwei Strategie-Spiele sind angetreten, den Dauerbrenner "Civilization" zu beerben. Sowohl "Alpha Centauri" von Firaxis, als auch das mit einer Lizenz für die Namensrechte ausgestattete "Civilization - Call to Power" von Activision hätten berechtigten Anspruch, denn sie setzen das ursprüngliche Spiel-Konzept gelungen fort.

Seit 1993 wurde "Civ" über 2,5 Millionen mal verkauft. Aufgabe des Spielers in "Civilization" ist es, ein Volk von der Steinzeit bis in die nahe Zukunft zu führen und sich dabei gegen die computergesteuerte Konkurrenz durchzusetzen. Dabei kann er den strategischen Schwerpunkt auf Diplomatie und Handel oder auf kriegerische Auseinandersetzungen legen. Wichtigster Bestandteil des Spiels ist jedoch die wissenschaftliche Forschung. In "Alpha Centauri" geht es dagegen futuristisch zu. Biomaschinen und Nanorobotik wollen erfunden sein, denn das Spiel beginnt da, wo "Civilization" aufhörte, also in der nahen Zukunft. Spielerisch unterscheidet sich der Firaxis-Titel nur wenig von seinem Vorbild und dem Konkurrenten "Call to Power". So ist zum Beispiel die Diplomatie in "Alpha Centauri" ein herausragendes Spielelement. Das Verhalten der computergesteuerten Kontrahenten ist dabei äußerst glaubwürdig gelungen. Einen weiteren Pluspunkt sammelt "Alpha Centauri" in Punkto Atmosphäre. Lange gesprochene Texte und Videosequenzen binden den Spieler ins Geschehen ein. "Call to Power" bietet die gesamte Entwicklung der Menschheit, geht schließlich aber weiter in die Zukunft als Civilization. Von 4000 v. Chr. bis 3000 n.Chr. reicht die Zeitspanne, die man in einer Partie bewältigen muß. Hier liegt auch der vielleicht wesentlichste Unterschied der beiden Titel. "Call to Power" ist ein Hardcore-Strategiespiel, daß sich eher an die Puristen unter den "Civ"-Spielern richtet. Schon die Spieldauer einer Partie zeigt das. Während man "Alpha Centauri" an zwei bis drei Abenden bewältigen kann, sollte man für "Call to Power" schon gut zwei Wochen veranschlagen.

Bleibt also die Qual der Wahl und die Sicherheit, daß man "Civilization 2" getrost von der Festplatte räumen kann.

"Alpha Centauri", Firaxis, 80 DM, Pentium 166, 16 MB RAM mit Win 95/98. Civilization - Call to Power", Activision, 80 DM, Pentium 200, 64 MB RAM, Win 95/98.

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