ABENTEUERFILM„12 Meter ohne Kopf“ : Krise auf der Kumpel-Kogge

Christian SchröderD

Klaus Störtebeker, so behauptet die Legende, war kaum totzukriegen. Als er im Jahr 1401 vor den Hamburger Stadttoren enthauptet wurde, soll der bekannteste deutsche Pirat noch zwölf Meter ohne Kopf zurückgelegt haben. Allen seinen Mitstreitern, an denen er vorbeilief, war die Freiheit versprochen worden. Doch in Sven Taddickens Störtebeker-Film, der ausgerechnet „12 Meter ohne Kopf“ heißt, fehlt die Szene. Denn Störtebeker, das ist die überraschende Pointe des Segel-, Sturm- und Säbeldramas, wurde gar nicht hingerichtet.

Es ist ein Haufen von räudigen, verschmutzten Draufgängern, die Kapitän Störtebeker bei seinen Kaperfahrten durch Nord- und Ostsee anführt. Sie tragen Spitznamen wie „Keule“ oder „Nolle“, und ihr Kampfruf lautet: „Fickt die Hanse!“ Ihre Kluft aus Lederwänsten und Stulpenstiefeln wirkt mittelalterlich, aber sie „sabbeln“ in einer sehr heutigen Sprache. Gegner werden „platt gemacht“, die Essensrationen müssen „immer rein in die Fressspalte“. Und als Störtebeker einer Kellnerin beim Landgang in einer ostfriesischen Spelunke näherkommt, fragt er wie ein schüchterner Student: „Und was machst du so?“

„12 Meter ohne Kopf“ will kein historisch korrekter Kostümschinken, sondern ein Popspektakel sein, das den „Likedeelern“ bei ihrem anarchischen Spaß am Rebellieren zuschaut. Vorbild waren Genre-Bastarde wie „Fluch der Karibik“ oder „Ritter aus Leidenschaft“, die auf Action und Ironie setzen. Gedreht wurde auf nachgebauten Koggen auf hoher See, das machte Special Effects überflüssig. Bei Kampfszenen spritzt schon mal Blut auf die Kameralinse, dazu röhren T. Rex „20th Century Boy“.

Es geht, wie immer bei Jungs-Filmen, um Freundschaft. Die Freundschaft zwischen Störtebeker (Ronald Zehrfeld) und seinem Anführer-Kumpel Gödeke Michels (Matthias Schweighöfer) wird auf die Probe gestellt, nachdem der Kapitän im Kampf schwer verwundet wurde. Nun sitzt ihm die Angst im Nacken, seiner Crew verkündet er im Therapiesprech: „Gewalt ist keine Lösung. Wir müssen miteinander reden.“ Die Gegenseite wird verkörpert von den Hamburger Ratsherren um Simon von Utrecht (Devid Striesow), die – Krisengejuxe wie im Kabarett – über „nervöse Märkte“ und ein „Außenhandelsdefizit“ jammern. Störtebeker stört die Geschäfte, deshalb muss er weg. Lustvoll spielt der Film mit seinem Mythos. Popspektakel statt Historienschinken. Christian Schröder

„12 Meter ohne Kopf“, D 2009, 102 Min., R: Sven Taddicken, D: Ronald Zehrfeld, Matthias Schweighöfer, Hinnerk Schönemann, Jana Pallaske

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