Zeitung Heute : Abenteurertypen sind nicht gefragt

Arbeiten in Krisengebieten kann mit der richtigen Vorbereitung zu einer interessanten Erfahrung werden

Horst Heinz Grimm[dpa]

Tausende Deutsche arbeiten als Techniker, Ingenieure, Manager oder humanitäre Helfer im Auftrag von Firmen und Organisationen der Bundesrepublik vorübergehend im Ausland. Ihre Einsatzorte liegen oft in Gegenden mit schlechten hygienischen und anstrengenden klimatischen Bedingungen, mangelnder Lebensqualität, hoher Kriminalität und politischer Unsicherheit.

„Eine Baustelle in der Taiga zu leiten, wo alles mit dem Hubschrauber angeliefert wird, ist eine andere Aufgabe als eine Projektleitung in Hamburg“, sagt Mark Piekereit von der SGS-Gruppe, dem weltweit führenden und in mehr als 140 Ländern tätigen Unternehmen für Warenkontrolle und Zertifizierung. Da sind stets die richtigen Reaktionen auf plötzlich auftretende Probleme gefragt.

Es sind Experten auf den verschiedensten Gebieten, die solche Strapazen auf sich nehmen, um ihren Job fernab von Familie, Freundeskreis und gewohntem Lebensstil auszuüben. „Abenteurertypen sind nicht gefragt, unsere Mitarbeiter brauchen Erfahrung und einen kühlen Kopf“, sagt Hans Stehling von der weltweit tätigen Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt/Main.

Diese Richtlinie gilt für alle seriösen Entsender wie beispielsweise das Technologieunternehmen Brunel. „Indien, Vietnam und Libyen“, listet der Automatisierungsspezialist Michael Dreyer als Einsatzgebiete auf. Für Kurzbesuche auf einer Studienreise sicher interessante Orte, an denen ein längerer Aufenthalt aber durchaus belastend sein kann.

In manchen Ländern gehören auch Entführungen oder Anschläge zum Risiko jener Männer und Frauen, die freiwillig einen Auftrag angenommen haben. Ausländer und ihre Ausstattung sind in vielen Fällen begehrte Beute.

„Der Aufbau zerstörter Infrastruktur in ehemaligen Kriegsgebieten ist ein Milliardengeschäft, das aber mit erheblichen Risiken für Mensch und Material verbunden ist“, erklärt ein Sicherheitsexperte, der nicht genannt werden möchte. „An diesem Geschäft möchten auch deutsche Unternehmen partizipieren.“ So überlegen deutsche Firmen und Organisationen sehr genau, ob sie Mitarbeiter in Krisengebiete entsenden und welcher Schutz für sie organisiert werden kann. Dieser reicht von einem realitätsnahen Training zum Verhalten in Konflikten und Gewaltsituationen bis zur Bereitstellung von gepanzerten Fahrzeugen am Ort und notfalls bewaffneten Eskorten. Bernd Göken, der Geschäftsführer des Komitees Cap Anamur/Deutsche Notärzte empfiehlt, frühzeitig Kontakt zu Ortskundigen aufzubauen: „Einheimische können Anzeichen für Gefahr viel besser deuten.“

Entscheidend sind bei Auslandseinsätzen neben einer medizinischen Untersuchung und umfassendem Impfschutz die entsprechenden Versicherungen. „Auf jeden Fall sollte vor einer Entsendung ein Versicherungsfachmann kontaktiert werden“, empfiehlt Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Denn besonderes Risiko kann gegen höhere Prämien versichert werden.

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