Zeitung Heute : Aber: Fernseher als Internet-Monitor kaum zu gebrauchen

Kurt Sagatz

So naheliegend die Idee ist, so schwierig gestaltet sich die Umsetzung: In nahezu jedem Haushalt befinden sich ein Fernsehgerät und ein Telefon, doch nur 13 Prozent der Haushalte sind ans Internet angeschlossen. Hier sollen Settop-Boxen wie die Metabox eine Brücke schlagen, die wie ein Videorekorder an den Fernseher geschaltet werden und über ein eingebautes Modem für die Verbindungsaufnahme mit dem World Wide Web verfügen. Per Infrarottastatur mit Mausersatz bewaffnet können nun ohne Computerkenntnisse E-Mails und Faxe versendet oder Informationen aus dem Internet gezogen oder Waren bestellt werden, verspricht der Hersteller der Box.

Leider sind Theorie und Praxis auch in diesem Fall zwei Themen, denn die Verschmelzung von Internet und Fernsehen wird durch unterschiedliche technische Standards erheblich behindert. So ist es mit den Metaboxen zwar kein Problem, eine Verbindung zum Netz aufzubauen. Doch was als Ergebnis auf dem Fernseh-Bildschirm dargestellt wird, ist alles andere als der erwartete Mediengenuss, denn selbst Seiten wie tvspielfilm.de sind für den Abruf über den PC und eben nicht für den TV-Empfang optimiert. In der Folge sind die Informationen auf der Homepage selbst aus geringer Distanz kaum lesbar.

Der Grund für die schlechte Darstellung liegt darin, dass Fernsehgeräte nicht nur stärker flimmern als PC-Monitore, sondern dass auch die Anzahl der Zeilen und Bildpunkte nicht kompatibel ist. Bei geschriebenen Texten behelfen sich die Boxenhersteller damit, die Schrift so zu vergrößeren, dass sie auch auf dem Fernseher lesbar ist. Doch bei den zahllosen Grafiken mit Textinformationen zum Beispiel in den Navigationsmenüs scheitert dieses Verfahren.

Zur Beseitigung dieses Missstandes werden deshalb ausgewählte Seiten durch eigene Redaktionen so umgearbeitet, dass Texte und Bilder TV-gerecht zum Surfer gelangen. Weil das Netz jedoch viel zu groß ist, um mehr als nur einen Bruchteil auf diese Art zu erfassen, wird an Verfahren zur automatischen Konvertierung gearbeitet. Ergebnisse dieser Bemühungen sollen bereits auf der nächsten CeBIT Ende Februar zu sehen sein, hoffentlich gut lesbar.

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