Zeitung Heute : Abflug nur mit Zertifikat

Ersatzteilbeschaffung in der Luft- und Raumfahrt

Annette Fahrendorf

„Ein Flugzeug ist eine Ansammlung von Ersatzteilen, die im geschlossenen Verbund fliegen“, heißt es unter Ingenieuren. Was das bedeutet, bekommt auch der Passagier ab und zu zu spüren: Immer dann nämlich, wenn ein wichtiges Ersatzteil fehlt. AOG – Aircraft on Ground – heißt es dann: Flugzeug am Boden.

Was für den Reisenden lästige Wartezeiten bedeutet, ist für Firmen, die sich auf Ersatzteile für die Luft- und Raumfahrt spezialisiert haben, der Ernstfall. Denn ein Flugzeug, das nicht fliegen darf, bedeutet Verluste für die Fluggesellschaft. Ganz egal ob ein Triebwerk ausgefallen ist oder ob jemand die Notausgang-Schilder geklaut hat: Es muss so schnell wie möglich Ersatz beschafft werden.

„Alles was in ein Flugzeug eingebaut wird, muss speziell für die Luftfahrt zertifiziert sein“, sagt Nicole Rohde, Assistentin der Geschäftsleitung bei Interturbine Logistik in Kaltenkirchen. Wegen des Zertifizierungsgebots kann niemand einfach losgehen und einen undichten Schlauch durch einen x-beliebigen aus dem bächsten Baumarkt ersetzen. Also klingelt im Zweifel in Kaltenkirchen das Telefon, denn Interturbine Logistik hat sich auf die Ersatzteilversorgung für Verkehrsflugzeuge spezialisiert. In großen Hallen lagern dort Komponenten und Bauteile vom Sitzschienen über Schläuche und Kabel bis zu Triebwerksteilen. Jedes Stück, auch die kleinste Schraube, hat eine Zertifizierung. Ob auch das aktuell benötigte Ersatzteil am Lager ist, können die Groß- und Einzelhandelskaufleute schnell feststellen, manchmal auch nachts über den Laptop von zu Hause aus. Wenn nicht, muss es aufgetrieben werden. Egal wo. Beim Hersteller, beim Zwischenhändler, im größten Notfall aus der laufenden Produktion. Innerhalb von zwei Stunden muss der Kunde wissen, wann und auf welchem Wege er das Ersatzteil bekommt: üblicherweise soll das innerhalb 24 Stunden sein.

Mit insgesamt 160 Mitarbeitern und Niederlassungen in Europa, den USA und Asien kann die Firma diesen Service weltweit 24 Stunden am Tag anbieten. Dabei arbeitet das Unternehmen mit den Fluggesellschaften direkt zusammen, aber auch mit Airbus Material Support Service, einer Airbus-Tochter, die den Ersatzteilsupport für alle 14 Airbus-Flugzeugtypen weltweit koordiniert.

Die Möglichkeiten, für einige Zeit im Ausland zu arbeiten, sind gut. „Wer in diesem Metier arbeitet, muss flexibel und belastbar sein und schnell kompetent reagieren können“, sagt Gisela Wille, Personalchefin bei Interturbine. Wichtig sei auch gutes Englisch – nicht nur für Groß- und Außenhandels- sowie Speditionskaufleute, sondern überall im Unternehmen. Nur so kann nicht nur im Ernstfall eines AOG, sondern auch im Routinegeschäft professionell und eigenverantwortlich gearbeitet werden.

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