Zeitung Heute : Abgaben auf IT-Geräte: Verwertungsgesellschaften sehen ihre Zeit gekommen

Dietrich Kluge

Der Computerhandel wirbt, und das nicht nur zur Weihnachtszeit, mit günstigen Schnäppchen. Ein kompletter PC der mittleren Leistungsklasse ist, inklusive Software, schon ab 2000 Mark zu haben. Das allerdings könnte sich im Verlauf des nächsten Jahres ändern, vor allem durch Änderungen bei den Urheberrechtsabgaben.

Die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort, Vertreterin der Urheberrechte deutscher Autoren, sieht durch die technischen Möglichkeiten des Homecomputers eine potentielle Urheberrechtsverletzung. Die Forderung: Eine Pauschalabgabe von 30 Euro pro gekauftem PC. Das Problem beträfe irgendwann den Endkunden, zunächst aber die Hersteller und den Handel, vertreten durch den Computerindustrie-Verbund Bitkom. Und der kritisiert den Vorstoß vehement: Es sei zwar prinzipiell legitim, eine Abgabe auf IT-Geräte zu erheben, nicht aber pauschal auf jeden verkauften PC. Bei Bitkom erwartet man durch die Urheberrechtsabgabe eine Preissteigerung von bis zu 25 Prozent bei einzelnen Geräten wie Drucker etc. Damit würden "unsere schlimmsten Befürchtungen wahr", so Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Bundesverbands Informationswirtschaft.

Aus Sicht der VG Wort sieht das anders aus: "Die Pauschale ist für den Konsumenten die einfachste und billigste Methode" so Ferdinand Melichar, geschäftsführender Vorstand der Verwertungsgesellschaft. Auch werde es durch die Abgabe zu keinen Wettbewerbsnachteilen für den Computerhandel kommen.

Schon lange erheben Verwertungsgesellschaften wie die Gema, die VG Wort und die VG Bild-Kunst Gebühren auf Geräte zur Datenspeicherung und -kopie, sowie deren Datenträgern. Mit dem Aufkommen digitaler Medien haben sich die technischen Möglichkeiten aber grundlegend geändert: Das Aufkommen kopiergeschützter Musik-CDs zeigt, dass eine Verschlüsselung jetzt direkt auf der Ebene der gespeicherten Daten möglich ist, Abgaben wären unnötig.

Auch Software könnte teuerer werden. Betriebssystem-Hersteller Microsoft plant die Änderung seiner Software-Lizenzen für Großkunden: Die Betriebssysteme Windows for Workgroups 3.11, Windows 95 und das neue Windows Me können ab nächstem Jahr nicht mehr, wie bisher, kostengünstig "geleast" werden. Es besteht zwar die Möglichkeit, von einer geleasten Version des High-End Betriebssystems Windows 2000 die betroffenen Versionen zu lizensieren, im Einzelfall wird der Geschäftskunde trotzdem tiefer in die Tasche greifen müssen.

Allerdings können sich die Preise auch in eine ganz andere Richtung entwicklen. In den letzten Monaten stockte der Verkauf neuer PCs, Hersteller und Handel sitzen auf vollen Lägern. Erste Hersteller wie Compaq werben schon jetzt mit Preisnachlässen. Es könnte sich somit lohnen, in den nächsten Wochen die Anzeigen des einschlägigen Handels genauer nach dem ein oder anderen Schnäppchen zu durchforsten.

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