Abgebranntes Ausflugslokal : Das traurige Wahrzeichen vom Wannsee

Christian van Lessen

Hier könnten Gruselfilme gedreht werden. Die bizarre Ruine will zur schönen Wannseelandschaft nicht passen. Dabei müssten doch schon aufmunternde Zeichen des Aufbaus oder zumindest des Abbruchs zu sehen sein. Binnen eines Jahres wollte der Pächter das Lokal mit seinem Saal für 250 Personen wieder errichten und eröffnen. Das teilte er am ersten Weihnachstfeiertag mit, als die Trümmer noch rauchten. Viele, die das hörten, freuten sich über das angekündigte Aufbau-Tempo. Die Ausflügler, die heute an den traurigen Resten vorbeikommen, sehen aber noch immer nichts als Trümmer und Verfall. Von Aufräumarbeiten keine Spur. Die abgebrannten Wannsee-Terrassen schlummern im tiefen Dornröschenschlaf und nichts deutet darauf hin, dass sich bald was an dem traurigen Zustand ändert.

Dabei sind noch immer die grünen Schilder am Wannseeebadweg zu sehen, die zum Besuch der Terrassen einladen, mit dem Hinweis, dass Dienstag Ruhetag ist. Als wäre nichts geschehen. Seit mehr als einem Vierteljahr ist Ruhetag. Viele Touristen, die ihren Osterbesuch in Berlin mit einem eindrucksvollen Wannseeblick bei Kaffee und Kuchen krönen wollten, mussten enttäuscht und entsetzt wieder abziehen. Für die Ausflügler auf dem Wasser ist der Blick auf die verkohlte Ruine in der Höhe nicht weniger gruselig. Warum tut sich nichts?

Im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf ließ sich die Frage gestern nicht so recht beantworten. Uwe Stäglin, Stadtrat für Bauen, Stadtplanung und Naturschutz, teilte nur mit, dass für das Forstgelände bisher kein Bauantrag eingereicht worden ist. Es habe auch keine Bauberatung gegeben. Der Pächter, der noch vor Monaten viel Optimismus verbreitet hatte, ließ sich für eine Stellungnahme nicht erreichen. Keine beruhigenden Aussichten dafür, dass in wiederaufgebauten Terrassen schon zum Jahresende getafelt werden könnte. Aber Souvenirsammler kommen auf ihre Kosten, sollten sie Gefallen an den verbrannten und und zerschlagenen Resten des Großfeuers vom Weihnachstag finden. Der Zugang ist kaum gesichert.

Da steht noch stapelweise Geschirr herum, als ob es auf den Abwasch wartet. Die Speisesekarten sind teilweise verkohlt, wirken beinahe mittelalterlich, die Preise sind ohnehin aus einer anderen Währungszeit. Steinpilzcremesuppe für 8,50 Mark und Damwildsteak mit Maronen, Kroketten und Preiselbeeren für 41,50 Mark sollte es zum Weihnachtsfest geben, oder auch das Filetsteak Medium mit Kräuterbutter, Steinpilzen und Lyoner Kartoffeln, neun Mark teurer. Und zum Nachtisch Caramel-Cremespeise mit Sahne, 6,50 Mark. Als Spezialität aber waren neben Karpfen und Forellen französische Flugenten angekündigt, auch sie verkohlten, als damals am frühen Dienstagmorgen das Feuer vermutlich an der Lüftunganlage ausbrach und den 400 Quadratmeter großen Gebäudekomplex mit dem markanten reetgedeckten Dach bis auf seine Grundmauern niederbrannte.

Als das Feuer ausbrach – auch eine brennende Fritteuse wurde als Ursache angenommen – hatte in der Küche bereits ein Koch gearbeitet, der Feiertag war ausgebucht, die Vorbereitungen mussten früh beginnen. Der Mann konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, musste aber mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Feuerwehr brauchte etwa zwei Stunden, bis sie den weithin sichtbaren Brand unter Kontrolle hatte. Den zweiten in der Geschichte des traditionsreichen Hauses, das 1947 schon einmal niedergebrannt war. Damals dauerte es bis zum Wiederaufbau des Hauses drei Jahre.

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