Zeitung Heute : Abgeordnete: Afghanen nicht misstrauen

Partnering-Konzept nach dem Tod von drei Soldaten beibehalten / Kritik an Vorbereitung für den Einsatz

Berlin - Nach dem Angriff auf die Bundeswehr in der afghanischen Unruheprovinz Baghlan, bei dem drei deutsche Soldaten ums Leben kamen, hat die deutsche Politik mehrheitlich ihren Rückhalt für den Einsatz am Hindukusch bekräftigt und das Konzept des Partnering verteidigt, bei dem internationale Soldaten afghanische Kameraden bei laufenden Operationen ausbilden.

Beim schlimmsten Angriff auf die Bundeswehr seit fast einem Jahr hatte am Freitag ein Soldat der afghanischen Nationalarmee in dem deutschen Feldlager um sich geschossen. Zwei Soldaten – ein 22-jähriger Stabsgefreiter und ein 30 Jahre alter Hauptfeldwebel – starben sofort, ein dritter erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Zwei weitere Soldaten schweben immer noch in Lebensgefahr, ihr Zustand sei kritisch, aber stabil, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos am Samstag in Potsdam.

Die Bundesregierung will an der Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee festhalten. Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte davor, das Modell infrage zu stellen. Wer dies tue, spiele dem Gegner in die Hände. „Allerdings birgt dieses Miteinander auch Risiken“, sagte der Minister.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Elke Hoff erklärte, die US-Oberkommandierenden in Afghanistan, General Stanley McChrystal und General David Petraeus, hätten von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass das Konzept gefährlich sei und mehr eigene Opfer bedeuten könne. Dennoch sehe sie „leider keine Alternative“ zur Zusammenarbeit mit den Afghanen. Allerdings frage sie sich, ob die deutschen Soldaten „wirklich ausreichend auf das Partnering vorbereitet werden, nicht, was das Militärische angeht, sondern mit Blick auf die unabdingbaren interkulturellen Fähigkeiten.“ Da prallten im Einsatz völlig verschiedene Kulturen ungeschützt aufeinander. Unbekannte Empfindlichkeiten, Gewohnheiten, Drogen-, Loyalitäts- und Disziplinfragen führten zu Spannungen, die zuweilen in Aggressionen aufbrächen und Vorgesetzte vor massive Schwierigkeiten stellen können. „Das ist unsere Aufgabe: Im Interesse unserer Soldaten etwaige Schwachstellen bei der Ausbildung zu erkennen und sofort zu beseitigen“, sagte Hoff.

Rainer Arnold, der Verteidigungsexperte der oppositionellen SPD, warnte vor einem generellen Misstrauen der deutschen Ausbilder gegenüber ihren afghanischen Rekruten, machte sich aber dafür stark, dass „möglichst viele Informationen von Geheimdiensten und anderen Stellen über die Menschen eingeholt werden , mit denen es die Soldaten zu tun haben.“ Omid Nouripour, Verteidigungsexperte der Grünen, betonte, „wenn wir so schnell wie möglich raus wollen aus Afghanistan, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Afghanen ihre Sicherheit in eigene Hände nehmen können, dazu gehört eine möglichst enge Zusammenarbeit, und zwar auch in der Fläche, draußen, außerhalb des Lagers.“ Er sehe jetzt allerdings die afghanische Seite am Zug: „Die deutschen Soldaten sind verunsichert, die afghanische Armee hat jetzt eine Bringschuld, sie muss überlegen, wie das Vertrauen wieder hergestellt werden kann.“

Das afghanische Verteidigungsministerium kündigte die Einsetzung einer hochrangigen Delegation zur Untersuchung der Vorfälle an. Vertreter der Taliban bestritten jede Verbindung zu dem Todesschützen. Die drei Soldaten, die bei dem Anschlag getötet wurden, werden nach Angaben der Bundeswehr voraussichtlich am Montag nach Deutschland gebracht. Zuvor soll eine Trauerfeier im Einsatzgebiet stattfinden, wahrscheinlich im Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Später ist eine zentrale Trauerfeier auch in Deutschland geplant. Der genaue Zeitplan stehe aber noch nicht fest, sagte der Sprecher.

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