Abitur 2013 : Die große Vielfalt

Die Berliner Oberschulen haben vieles zu bieten – sogar erfolgreiche Profifußballer sind unter den Absolventen.

Nun lockt die große weite Welt. Das diesjährige Abitur ist Geschichte. Freudensprünge sind da durchaus angebracht. Foto: Liona Toussaint/Panthermedia
Nun lockt die große weite Welt. Das diesjährige Abitur ist Geschichte. Freudensprünge sind da durchaus angebracht. Foto: Liona...Foto: PantherMedia / Liona Toussaint

„Mir blieb das Herz stehen“, sagt Kerstin Gießler, und kann sich noch immer nicht beruhigen über das Unglück, das Björn Jopek am Pfingstsonntag passierte. Drei Tage vorm Nachschreibetermin in Mathe wurde der Mittelfeldspieler vom 1. FC Union mit einem Kreuzbandriss vom Platz getragen – was den Profisportler nicht davon anhielt, die Klausur zu schreiben und am 7. Juni auf Krücken sein Zeugnis in Empfang zu nehmen.

Kerstin Gießler leitet die Eliteschule des Sports in Köpenick, besser bekannt als Flatow-Schule. Das Leistungssportzentrum gehört zu den über 160 Berliner Schulen, die in diesen Tagen rund 13 000 erfolgreiche Abiturienten entlassen. Meist handelt es sich um Gymnasien oder Sekundar- und Gemeinschaftsschulen, aber zur Berliner Vielfalt gehört eben noch viel mehr: Das sind die 14 Beruflichen Gymnasien, sieben Abendschulen und eben die vier Eliteschulen des Sports.

Der Jahrgang 2013 war insofern eine Premiere, als die Mehrzahl der Abiturienten in nur zwölf Jahren die Schule geschafft hat: Nach dem Doppeljahrgang in 2012 sind die „Turboabiturienten“ in diesem Jahr erstmals die Regel an den Gymnasien, auch wenn dort noch immer ein wenig Bedauern mitschwingt. „Schulisch gesehen wäre es besser gewesen, die 13 Jahre beizubehalten“, findet Charlotte Jansen vom Mariendorfer Eckener- Gymnasium. Sie berichtet von den vielen sehr jungen Absolventen, die noch nicht wissen, was sie nach dem Abitur machen sollen, oder die an den überlaufenen Berliner Hochschulen keinen Studienplatz bekommen und mit 17 Jahren ungern in einer anderen Stadt studieren möchten.

Und dennoch – die Erleichterung überwiegt bei Charlotte und den vielen anderen, die jetzt noch auf Abifahrt sind oder ihren Abiball und all die anderen langen Nächte genießen. Viele von ihnen haben sich entschieden, jetzt erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren – am John-Lennon-Gymnasium sogar ein Drittel der Abiturienten. „Sie wollen reifen, bevor sie lebenswichtige Entscheidungen fällen“, kommentiert Direktor Jochen Pfeifer den Entschluss vieler seiner Schüler.

Wie die Noten in ganz Berlin ausgefallen sind, ist noch nicht bekannt. Aber Überraschungen gibt es immer. Zum Beispiel an der Martin-Buber- Sekundarschule in Spandau, wo die Jungs einen Schnitt von 2,7 erreichten, die Mädchen aber bei 2,2 landeten.

Und eben an der Flatow- Schule, wo neben Björn Jopek auch Union-Stürmer Steven Skrzybski und die Olympische Bronze-Junior-Kanutin Lisa Jahn ihr Abitur schafften. Herzlichen Glückwunsch an alle!

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