Zeitung Heute : Abschied von der Almhütte

Mit dem Publikum in den Kleingartenanlagen verändert sich der Geschmack. Auch Designer haben die Laube jetzt für sich entdeckt

Stephanie Hoenig (dpa)
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Das Schwarzwaldhaus ist out. Die neuen Lauben können sich sehen lassen. Foto: dpa

    Gartenhäuser im „Alpenhütten-Look“ sind von gestern. Denn in Schrebergärten – und nicht nur dort – entstehen in jüngster Zeit immer mehr moderne Gartenlauben, die sich nicht hinter Hecken und unter grünen Ranken verstecken müssen. Diese von Architekten entworfenen Hütten im neuem Outfit unterscheiden sich von vorgefertigter Massenware. Sie bestechen durch eine klare und moderne Formensprache, ungewöhnliche Designs und leuchtende, knallige Farben.    Gartenzwerge, Bierbauch und mit der Nagelschere gestutzte Rasenkanten: Dem Klischee nach sind Kleingärten ein Tummelplatz für Spießer. Deshalb scheinen Kleingarten-Lauben und moderne, gehobene Architektur auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen. Doch auch bei den „Schrebern“ hat sich die Klientel deutlich verändert. „Weil immer mehr junge Familien sich ein eigenes Heim nicht mehr leisten können oder wollen, wächst das Interesse am Kleingarten“, erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin, einen schon länger anhaltenden Trend.    

Großstädter, die in einer schicken Stadtwohnung leben, haben eine andere Vorstellung von Gartenhäusern als der Laubenpieper der alten Schule. „Traditionelle Lauben orientieren sich an Einfamilienhäusern, die in Miniatur nachgebaut werden“, sagt Nanni Grau vom Architekturbüro Hütten & Paläste in Berlin. Neue Gartenhäuser richten sich nach anderen Design-Maßstäben: Statt der üblichen zwei oder drei beengten Räume solle – so der Ansatz der Architektin – in der modernen Laube Großzügigkeit in Form eines einzigen Raums erlebbar sein. In diesem multifunktionalen Raum könne gewohnt, gefeiert und manchmal auch geschlafen werden.    Vorgefertigte Bausätze für Gartenhäuser entsprachen auch nicht dem Geschmack von Jan Prühs aus Jüchen (Nordrhein-Westfalen). Bei einem Besuch im Baumarkt stand der Architekt vor Gartenhäusern, „bei denen weder die Optik noch das Preis-Leistung-Verhältnis der Konstruktionen stimmte“. Als Reflex darauf entwarf er selbst moderne, zeitgemäße Gartenhäuser.

Dazu zählt etwa das Modell „Cube“, ein würfelförmiges, knallbuntes Gartenhäuschen. Schrebergärtner haben dabei die Auswahl zwischen rund 200 Farben und etlichen Farbkombinationen, sodass jeder sein „Cube“ individuell gestalten kann.    Beim Entwurf von Gartenhütten für Kleinanlagen sind den Architekten durch Bauvorschriften die Hände gebunden: „Mehr als 24 Quadratmeter einschließlich überdachtem Freisitz sind nicht zulässig“, erklärt Wagner. Die Laube dürfe nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein.    Diese Beschränkungen durch das Kleingartengesetz sind bei den Entwürfen der Architekten von Hütten & Paläste berücksichtigt: „Die Leute sitzen im Garten sowieso die meiste Zeit draußen“, erklärt Grau. „Da brauchen sie keine zweite Wohnung, sondern ein Laubenkonzept, das gut durchdacht ist.“ Große Fensterfronten öffneten die Hütten zum Garten hin. Auch bei Regen stehe der Gartenhausbesitzer im Kontakt zur Natur.    Ein Gartenhaus muss nicht zwangsläufig im Kleingarten stehen.

„Auch im Eigenheimgarten taugt ein Gartenhaus nicht nur als Aufbewahrungsraum für Gartengeräte, Gartenmöbel und Gerümpel“, sagt Prühs. Es könne Kinderspielplatz, zusätzlicher Arbeits- und Hobbyraum oder einfach nur ein zusätzliches Gartenzimmer sein. Manche Gartenbesitzer planten ihre Hütte auch als Sauna oder Wellness-Oase. Dies schaffe indirekt mehr Platz zum Wohnen. Doch ein derartiges Projekt sollte auch mit dem Nachbarn abgesprochen werden. Das vermeidet Ärger und Streit.   Stephanie Hoenig (dpa)

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