Zeitung Heute : Absurdes Theater

Ja, in den Großraumwagen der Bahn ist zurzeit die Hölle los. Was passiert, wenn ermattete deutsche Urlauber in Frankfurt auf hunderte Japaner treffen? Armin Lehmann hat mitgeschrieben – ein Schwank aus dem wahren Leben.

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Bahnhof Frankfurt Flughafen. Zahlreiche Deutsche pressen sich mit hunderten Japanern in den Zug nach Nürnberg. Es treten auf: ein deutscher Mann, vielleicht 70, mit seinem Sohn, vielleicht 45, eine deutsche Urlauberin, knapp 50, sitzend, mit ihrem Mann, stehend, viele Japaner.

* * *

Sohn: Ghana hat gewonnen.

Vater: Quatsch, Italien hat unentschieden gespielt.

Sohn: Deutschland spielt gegen Schweden.

Vater: Falsch, gegen England oder Schweden, das entscheidet sich erst am Samstag gegen die Südamerikaner.

Urlauberin: Mausi, bist du noch da?

Mann: Ja, doch.

(Eine Japanerin versucht, sich vor der Urlauberin auf den Boden zu setzen.)

Urlauberin: You want chance?

Japanerin: Hihi.

(Japanerin setzt sich.)

Sohn: Herrgott, wir spielen Dienstag, aber Platz eins ist sicher.

Vater: Quatsch, gegen Paraguay wird es schwer.

Zugchef: Liebe Reisende, bitte rücken sie enger zusammen, in Aschaffenburg wollen noch 300 Japaner mit.

Urlauberin: Mausi, wann sind wir denn in Kitzingen?

Mausi: Wenn wir hier lebend rauskommen, um zehn.

Sohn: Die Chancen, dass wir Weltmeister werden, stehen schlecht, sagen die Buchmacher.

Vater: Unsere deutschen Buchmacher sind sehr erfahren, die können das genau berechnen.

Sohn: Die Brasilianer sollen nicht gut drauf sein.

Vater: Das ist falsch, warten wir das zweite Spiel ab.

Sohn: Wir schlagen die im Finale.

Vater: Nie. Wir kommen nicht ins Finale.

Urlauberin: Mausi, wollen wir uns bereit machen zum Aussteigen?

Mausi: Wir haben noch eine Stunde.

Urlauberin: Ich würde gerne früh damit anfangen.

(Japanerin steht wieder auf.)

Urlauberin: (zeigt auf die Lehne) You want sitzen?

Japanerin: Hihi.

Urlauberin: Mausi, ich komme lieber jetzt.

(Urlauberin steht auf, wendet sich zur Japanerin.)

Good luck und tschüss dann.

Japanerin: Hihi.

(Setzt sich auf den Platz.)

Sohn: (triumphierend zur Japanerin) Hidetoshi Nakata.

Japanerin: Hihi.

Stehender Japaner: Ah, Japan.

Sohn: Takahara!

Stehender Japaner: Ah, Amburg, next Season Frankwurt.

Vater: Hier steht geschrieben, Goleo ist ein Plüschmonster.

Sohn: Merk pfeift Australien – Brasilien und das Finale.

Vater: Nee, das Finale pfeift der nicht.

Sohn: Vielleicht Goleo. (lacht)

Nürnberg, Hauptbahnhof, die Japaner steigen aus.

Sohn: Good luck for your team.

Japaner: Hihi.

Sohn: You are Samureis.

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