Zeitung Heute : Abwarten und gutes Tun

Wer nicht gleich einen Studienplatz bekommt, kann die Zeit sinnvoll nutzen – zum Beispiel als „Bufdi“

Die Unis rechnen in diesem Herbst mit einem wahren Bewerberansturm. Nicht alle Abiturienten werden deshalb gleich mit einem Studium beginnen können. Um die Wartesemester sinnvoll zu überbrücken, gibt es viele Möglichkeiten – zum Beispiel ein Praktikum, eine Reise oder ein Jahr als „Bufdi“.

Ein Praktikum habe gleich zwei Vorteile, sagt Karriereberater Martin Wehrle aus Jork bei Hamburg: „Erstens kann man sich vergewissern, ob das Studium überhaupt die richtige Wahl ist. Zweitens kann man erste Praxis sammeln.“ Das erleichtere den Einstieg ins Studium und mache sich gut im Lebenslauf. Eine Alternative ist laut Wehrle eine Tätigkeit im sozialen Bereich. Wer mit Kranken, Alten oder Menschen mit Behinderung arbeite, baue seine soziale Kompetenz aus und sammele Lebenserfahrung. „Gerade Ehrenämter sind später ein Trumpf in einer Bewerbung: Sie lassen auf ein hohes Engagement schließen.“

Ähnliches kann für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), ein Ökologisches Jahr oder den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD) gelten. „Ähnlich wie im FSJ kann man dabei in verschiedenen Bereichen arbeiten“, erklärt Wolfgang Hinz-Rommel, Fachmann für die Freiwilligen Dienste des Diakonischen Werks Württemberg in Stuttgart. Dazu gehörten soziale, kulturelle, sportliche oder ökologische Aufgaben sowie Einsätze im Denkmalschutz. Die Unterschiede zum FSJ seien eher gering. Dennoch könne es etwas andere Einsatzstellen und in einigen Einrichtungen möglicherweise eine andere Bezahlung geben. „Die Regelzeit als sogenannter Bufdi ist ein Jahr, man kann sich aber auch für einen kürzeren Dienst von mindestens sechs Monaten bewerben“, berichtet Hinz-Rommel. „Ein Start ist durchgehend möglich – wenn Plätze frei sind.“ Bewerben könne man sich direkt bei der gewünschten Einsatzstelle oder einem der Träger wie Diakonie oder Caritas.

Doch nicht alle möchten im Wartesemester arbeiten. Ob man auch einfach nur entspannen oder reisen darf? „Ja, man darf“, findet Karriereberater Martin Wehrle. „Nur sollte man – wo immer möglich – im Lebenslauf einen Bezug zu Studium oder Beruf herstellen.“ Also die Auszeit später gut verkaufen.

Das gilt übrigens für Wartesemester generell: Sie sind keine Lücke im Lebenslauf, wie Wehrle betont. „Alles, was man in dieser Zeit tut, lässt sich verkaufen. Wer reist, sollte aufschreiben, was er dabei gelernt hat. Wer liest, sollte sagen, was ihm das fürs Studium oder den Beruf gebracht hat.“ Dass jemand gar nichts tue, sei gar nicht möglich. „Man braucht nur ein Bewusstsein dafür, wo die Verbindung zum späteren Beruf liegt.“

Und vielleicht wird einem gerade in dieser Wartezeit klar, was man wirklich will. „Man kann seine Studienwahl noch einmal überdenken und den durch das Abi vielleicht leeren Energieakku laden“, so Wehrle. „Solche Pausen sind im späteren Erwerbsleben selten.“ Es spreche also überhaupt nichts dagegen, eine solche Gelegenheit auch zu nutzen. dpa

Mehr im Internet:

www.bundesfreiwilligendienst.de

www.ran-ans-leben.de

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