Zeitung Heute : Achtung, Hilfe

Der Staat hat sich so abgeschottet, dass humanitäre Organisationen es schwer haben

-

Eineinhalb Tage hat Pjöngjang gebraucht, dann erst hat das kommunistische Regime die internationale Gemeinschaft formell um Hilfe gebeten. Zuvor hatten Hilfsorganisationen bereits Soforthilfen zugesagt. 42000 Dollar kommen von den UN, 50000 Euro spendet die Caritas. Wegen Energiekrise, Naturkatastrophen und weggefallener Unterstützung durch die frühere Sowjetunion ist das Land allerdings schon seit Mitte der 90er Jahre auf ständige Hilfe von außen angewiesen. Für das laufende Jahr rechnen die Vereinten Nationen und die großen NichtRegierungsorganisationen (NGO) mit einem Bedarf von 221 Millionen Dollar.

Diese andauernde humanitäre Hilfe hat auch zu einer Öffnung der koreanischen Behörden beigetragen. Darin sind sich Organisationen wie Unicef, Rotes Kreuz und kleinere NGO einig. Das ändert jedoch nichts an den Hürden, die das kommunistische Regime nach wie vor errichtet. So dürfen sich die internationalen Helfer in dem Land nicht frei bewegen. Das Rote Kreuz hat Zugang zu einem Viertel des Landes, sagt Hellmut Giebel, der die Projekte in Nordkorea von Deutschland aus mitbetreut. Der Zufall wollte es jetzt, dass die Stadt Ryongchon zu diesem Gebiet gehört. Reisen müssen angemeldet werden, auf eine Erlaubnis ist in der Regel mehrere Tage zu warten. Mobil- und Satellitentelefone sind nur hohen Funktionären gestattet, was auch jetzt dazu führt, dass Informationen von staatlichen Behörden gesteuert werden.

Zugang zu allgemeinen Daten, zum Beispiel über Kindersterblichkeit oder Malaria-Infektionen, gibt es fast nicht. Die Helfer müssen sich auf das verlassen, was sie vor Ort sehen. „Nordkorea ist ein kompliziertes Land“, sagt auch Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Dennoch sei die Zusammenarbeit gerade bei langfristigen Projekten mit Pjöngjang inzwischen ziemlich gut. Und was die Datenerhebung betrifft, können die Vereinten Nationen gemeinsam mit den Behörden vor Ort auch eigene Untersuchungen durchführen. Das Eisenbahnunglück, vermutet Tarneden, ist für die koreanischen Beamten aber „ein großes Fragezeichen“. cir

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben