Zeitung Heute : Ackermann gibt Siegeszeichen

Deutsche Bank erwartet wieder Gewinne / Aktienkurs stürzt trotzdem ab / Betroffen vom Fall Madoff

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Nach der verheerenden Bilanz für 2008 ist die Deutsche Bank besser ins neue Jahr gestartet. Vorstandschef Josef Ackermann bezifferte die Erträge – also die Einnahmen – für Januar auf 2,8 Milliarden Euro. Der Wert sei fast so hoch wie im Rekord-Januar 2007. „Das stimmt uns bei aller gebotenen Vorsicht zuversichtlich für 2009“, sagte Ackermann am Donnerstag und stellte wieder Gewinne in Aussicht. Die Börse bleibt skeptisch: Der Kurs brach nach Vorlage der Bilanz um fast zehn Prozent ein; nach den zuversichtlichen Tönen schmolz das Minus auf vier Prozent.

Konkrete Prognosen blieb Ackermann schuldig. „Dramatische Entwicklungen auf den Finanzmärkten bleiben weiter möglich. Ich bin sehr besorgt über die globale Kreditwirtschaft.“ Sein Haus habe alles unternommen, um die Risiken unter Kontrolle zu haben. Das war im alten Jahr nicht gelungen. Nach dem Rekordgewinn des Jahres 2007 von 6,5 Milliarden Euro verbuchte die Deutsche Bank für 2008 einen Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro. Allein im vierten Quartal rutschte das Geldhaus mit 4,8 Milliarden Euro ins Minus, wie Ackermann bereits Mitte Januar berichtet hatte. Daran war vor allem die Investmentsparte schuld.

Betroffen ist die Bank auch vom vermutlich größten Finanzbetrug der Geschichte: Nach Angaben eines Gerichts in New York zählte sie zu den Kunden des Börsenmaklers Bernard Madoff. Das Gericht nennt auch die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Bayerische Landesbank. Nach den Worten von Ackermann, der im Mai 2010 abtreten will, sind möglichst viele Risiken in den Jahresabschluss 2008 geschoben worden. Weitere Abschreibungen erwarte er in diesem Jahr „in einem Niveau, das wir tragen können“. Die Deutsche Bank solle die Krise ohne direkte staatliche Hilfe überstehen, unterstrich Ackermann erneut.

Die Deutsche Bank will ohne einen größeren Stellenabbau durch die Krise kommen. Es soll 2009 nur einen leichten Rückgang geben, nachdem 2008 noch rund 2100 neue Stellen geschaffen worden waren, davon 160 in Deutschland. Zum Jahreswechsel beschäftigte die Bank weltweit 80 500 Mitarbeiter, davon knapp 28 000 in Deutschland.

Ackermann setzt auf den Ausbau des Privatkunden- und Filialgeschäfts. Schub soll der Einstieg bei der Postbank geben. Im laufenden Jahr will die Deutsche Bank aber auch von der massiven Nachfrage von Unternehmen und Staaten nach frischem Kapital profitieren. Das Institut will viele Anleihen organisieren und erwartet daher, dass sich das Investmentbanking wieder entwickelt. Der Bund denkt aber unterdessen darüber nach, die Commerzbank-Tochter Eurohypo und die Hypo Real Estate zusammenzulegen und so das schwierige Geschäft der Staatsfinanzierung zu bündeln.

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