Zeitung Heute : Ackermann verfehlt zum Abschied das eigene Ziel

Deutsche-Bank-Gewinn bleibt unter Erwartungen Nachfolger Jain mit besonders schlechten Zahlen.

Frankfurt am Main - Die Finanz- und Schuldenkrise hat Josef Ackermann das letzte Jahr an der Spitze der Deutschen Bank verhagelt. Statt des angepeilten Gewinns von zehn Milliarden Euro verdiente die Bank vor Steuern 2011 „nur“ 5,4 Milliarden Euro. Im vierten Quartal rutschte das Institut mit 351 Millionen Euro sogar in die roten Zahlen. Die Reaktion der Börse fiel entsprechend aus. Bis zum späten Donnerstagnachmittag war die Aktie der Deutschen Bank mit minus 1,6 Prozent der schwächste Wert im Dax. Bis Handelsschluss kämpfte sie sich immerhin zurück auf minus 0,4 Prozent. Ackermann äußerte sich dennoch bei der Vorlage der Bilanz in Frankfurt am Main optimistisch: Die Bank sei in guter Verfassung, und ein Gewinn von „zehn Milliarden Euro plus ist weiter eine realistische Größenordnung. Die Bank ist für die Zukunft gut gerüstet.“

Der Schweizer Ackermann ist seit Mai 2002 Chef der Deutschen Bank. Mit der nächsten Hauptversammlung am 31. Mai dieses Jahres wird er von einer Doppelspitze abgelöst. Dem für das Investmentbanking zuständigen Anshu Jain und Jürgen Fitschen, der das Privatkundengeschäft verantwortet. Es war vor allem das Investmentbanking, das im vergangenen Jahr weit hinter den Erwartungen zurückblieb. „Die zweite Jahreshälfte war ganz klar enttäuschend“, stellte Jain fest. In der Vergangenheit stammten bis zu 70 Prozent des Gewinns aus seinem Bereich, doch mit den Turbulenzen auf den Kapitalmärkten sind diese Zeiten vermutlich vorbei, sagte Jain. Immerhin hat die Bank ihre Anlagen in Anleihen kriselnder Euro-Staaten weiter reduziert – und zwar von zwölf Milliarden Euro Ende 2010 auf 3,7 Milliarden Euro Ende 2011.

Seine Nachfolger stimmte der 63-jährige Ackermann dennoch auf weiter widrige Zeiten ein. Bis zu einer Lösung der Schuldenkrise werde „das politische und ökonomische Umfeld schwierig bleiben“. Das belegen die ersten Wochen des neuen Jahres. „Der Januar war klar unter dem Vorjahr.“ Das Institut liege aber „voll im Plan“ bei Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung. So würde im laufenden Jahr mehr als eine Milliarde Euro gespart. Im Investbanking werden rund 500 Arbeitsplätze gestrichen. Und die Investmentbanker kassieren weniger Boni: Die variable Vergütung sinkt um durchschnittlich 17 Prozent, der Anteil der bar ausgezahlten Gelder noch stärker.

Im Zusammenhang mit der Immobilienblase in den USA deutete Ackermann Fehler an. Die Bank sieht sich inzwischen mit diversen Klagen gegen angeblich unlautere Geschäftspraktiken konfrontiert. Für diese Risiken legte die Bank 700 Millionen Euro zurück. Ackermann kündigte einige Vergleiche in den USA an.

Anders als das Investmentbanking erfüllten Privatkundengeschäft und Vermögensverwaltung die Erwartungen. Hier gab es einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Euro vor Steuern. Die Zukäufe von Postbank und Sal. Oppenheim zahlten sich aus. „Wir haben uns von riskanten Geschäftsaktivitäten verabschiedet und durch den massiven Ausbau des klassischen Bankgeschäfts unsere zweite Ertragssäule erheblich gestärkt“, sagte Ackermann und stellte die robustere Kapitaldecke heraus: Mit 9,5 Prozent Kernkapitalquote habe die Bank bereits die erst 2013 geltenden schärferen Vorgaben der Bankenaufsicht erfüllt.

Noch bis Ende Mai stehe er zwar „noch rechtlich in der Pflicht, die Bank operativ zu führen“, deutete der Schweizer den bereits eingeleiteten Übergang an Jain und Fitschen an. Groß feiern lassen will er sich zum Abschied nicht. „Ich mag nicht zelebrieren und mag keine Laudatio. Es gibt keine Ackermann-Show.“ Wenige Worte auf der Hauptversammlung Ende Mai und ein Abendessen mit den Kollegen sollen genügen. mit dpa

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