ACTIONKRIMI„Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ : Bruce Lee mit Köpfchen

Foto: WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
Foto: WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.Foto: Daniel Smith

So hat sich Dr. Watson (Jude Law) seinen Junggesellenabschied nicht vorgestellt. Sein Freund Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) kraucht im Tarnkostüm in seiner Wohnung in der Baker Street herum, besessen von der Idee, dass sein Widersacher Professor James Moriarty (Jared Harris) Teuflisches im Schilde führt. Holmes hat natürlich keine Party für Bräutigam Watson organisiert, sondern schleppt ihn stattdessen in einen Gentlemen-Club, in dem alsbald eine wilde Schlägerei vom Zaun bricht und das Leben der Zigeunerin Sim (Noomi Rapace) gerettet werden muss. Man landet im Bunker einer Anarchistengruppe, wo es den in Moriartys Komplott verstrickten Bruder der Zigeunerin zu finden gilt.

Bereits in seiner ersten Sherlock-Holmes-Verfilmung, die 2010 in den deutschen Kinos lief, interpretierte der auf britische Gangsterfilme spezialisierte Regisseur Guy Ritchie den Meisterdetektiv um, zu einem im Martial-Arts-Stil kämpfenden Superhirn mit 360-Grad-Blick, durchtrainiertem Body und irren Augen im Sechstagebart-Gesicht. Am Ende gab Irene Adler, sozusagen das Bond-Girl in Sherlock Holmes’ Welt, einen Hinweis auf Professor Moriarty – und man wusste, es wird eine Fortsetzung geben, zumal der blitzgescheite Moriarty in Arthur Conan Doyles Romanvorlage der wichtigste und gefährlichste Gegenspieler von Holmes ist.

Im zweiten Teil „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ stecken die üblichen Guy-Ritchie-Film- Zutaten und alles, was es im ersten Film bereits gab: schmissige Dialoge, Männerfreundschaft, Kampfszenen, irrwitzige Erfindungen, die als Überlebensausrüstung dienen, ein metaphorisches Schachspiel – und natürlich die „Holmes-o-Vision“: mentale, in Slow-Motion ablaufende Vorauskalkulationen des Superdetektivs. Der Plot hat dieses Mal eine weltumspannende, politische Dimension, rekurriert auf Geschichte und die Krisen der Jetztzeit, fällt aber sonst kaum ins Gewicht. Professor Moriarty will durch Attentate und Anschläge Europa in einen Krieg stürzen und mit Waffen- und Medikamentengeschäften kräftig absahnen.

Erneut gelingt es Guy Ritchie, seine Schauspieler zu motivieren. Robert Downey Jr. gibt Holmes die notwendige abgehalfterte Exzentrik, Jude Law glänzt als nonchalanter Watson, und selbst Noomi Rapace, die als Sim überwiegend glutäugig in die Gegend zu schauen hat, scheint Spaß am Dreh gehabt zu haben. Rasant. Birgit Rieger

USA 2011, 128 Min., R: Guy Ritchie, D: Robert Downey Jr., Jude Law, Noomi Rapace, Jared Harris

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