Zeitung Heute : Acud: Vielfalt unter einem Dach

Harald Olkus

"Früher war das Haus nur eine Ruine. Heute ist es ruinös", sagt die Geschäftsführerin des Kunstvereins Acud e.V., Jutta Braband, lächelnd. Nachdem der Kunstverein auf fast wundersame Weise doch noch zu seiner Immobilie in der Veteranenstraße gekommen ist, geht es jetzt um ganz andere Dinge: um Wirtschaftlichkeit, ein Finanzkonzept, Fördermittelanträge und die Gebäudesanierung. Denn das ehemalige Wohnhaus ist ziemlich heruntergekommen. Mehr als sechs Millionen Mark soll die Renovierung kosten.

Der Verein hatte das bis 1989 leerstehende und zum Abriss bestimmte Haus 1990 vom "Runden Tisch" zugesprochen bekommen. Mit ABM-Projekten und viel Eigenarbeit wurde das Gebäude hergerichtet und zum Kunsthaus ausgebaut. Doch erst 1998 klärte sich die Rückgabe an die Alteigentümer, eine weltweit verstreute Erbengemeinschaft. Verkaufsverhandlungen wurden geführt, das Acud bot 660 000 Mark. Doch plötzlich trat über einen Makler der Erben, Matthias Freiherr Teuffel von Birkensee, der zeitweilig auch als Hausverwalter fungierte, ein Konkurrent auf. Das Immobilienunternehmen Consultex Grundbesitz Gesellschaft überbot den Verein, und wollte in dem Haus an der Veteranenstraße Eigentumswohnungen errichten.

Der Preis für das Haus stieg, auch das Acud bot mehr. Doch die Erben entschieden sich für das Immobilienunternehmen. Zum Verkauf kam es aber nicht. "Das Unternehmen hatte sich offensichtlich übernommen", sagt Jutta Braband. Die Erben verkauften das Haus schließlich für 900 000 Mark an die "Stiftung Umverteilen! für eine, solidarische Welt". Die Stiftung stellt alternativen Projekten über Erbpachtverträge Räume zur Verfügung und finanziert mit dem Pachtzins Projekte in Entwicklungsländern. Über einen im April unterzeichneten Erbpachtvertrag mit 50-jähriger Laufzeit wurde das Acud dann Besitzer der Immobilie.

"Jetzt müssen wir wirtschaftlich arbeiten", sagt Jutta Braband. Am Charakter des Kunsthauses soll sich aber trotzdem nichts ändern. "Wir werden weiter ein interdisziplinäres Projekt unter einem Dach bleiben." Die finanziell ergiebigen Teile, wie Kino und Café, haben sich verpflichtet, die Galerie und das Theater mitzutragen. Zuschüsse erhält der Verein nur für seine soziokulturellen Projekte, wie den Mädchenclub oder das Angebot für Sozialhilfeempfänger, dort ihre Stütze aufzubessern.

Für den Kulturbetrieb soll die bisher nicht genutzte Remise, eine zweigeschossige ehemalige Korbflechterei im Hinterhof, ausgebaut werden. Der Konzertbereich, das Kino und die Kneipe werden dort größere Räume und eine bessere Ausstattung erhalten. Denn die Räumlichkeiten in dem ehemaligen Wohnhaus sind bislang sehr beengt. Das Kino hat nur 46 Sitzplätze und erhält deshalb von den Verleihern keine neu gestarteten Filme. Dennoch hat das Acud Kino bereits fünf Mal den Bundesfilmpreis für das beste Programm erhalten.

Das Haus selbst muss mit neuer Elektrik und Wasserleitungen versorgt, das Dach neu gedeckt und die Fassade wärmeisoliert werden. Finanzieren will der Verein die Sanierung über das Selbsthilfeprogramm des Bausenats, der rund 42 Prozent der Kosten fördert, mit einem Kredit in gleicher Höhe sowie 15 Prozent Eigenmitteln. Später sollen zusätzlich ökologische Elemente, wie eine Wärmerückgewinnungsanlage oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eingebaut werden. Die Gelder dafür will der Verein bei der Lottostiftung beantragen. "Doch das ist, ebenso wie die Selbsthilfeförderung des Bausenats in Gefahr. Der Senat muss schließlich seine Haushaltslöcher stopfen", sagt Jutta Braband.

Zwei Jahre lang sollen die Umbauarbeiten insgesamt dauern. Jutta Braband sucht bereits Lagerflächen und Ausweichflächen für die Mieter des Hauses. Denn die Räume werden nicht nur von den eigenen Projekten genutzt, sondern sind an Organisationen, Künstler oder den Club im Keller vermietet. Doch auch während des Umbaus soll das Kulturprogramm so gut wie möglich aufrecht erhalten werden. Im Juli nutzt zum Beispiel ein "Brüllchor" die Baustelle in der Remise und führt dort die Ursonate von Kurt Schwitters auf.

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