Zeitung Heute : Adlershof wird zur Marke

Standort bietet Wissenstransfer und Vernetzung

Harald Olkus

„Adlershof ist zwar noch keine Marke wie Stanford oder Harvard, aber auf dem besten Wege dorthin“, sagt Günther Tränkle. „Jedes erfolgreiche Produkt, das hier entwickelt wurde, trägt zum Image bei.“ Tränkle ist Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts für Höchstfrequenztechnik (FBH), eines von zwölf Mitgliedern der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof (IGAFA), die sich zusammengeschlossen haben, um die Interessen des Standorts zu bündeln.

Der lange Atem, den der Senat bei der Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Adlershof nach der Wende bewies, zahlt sich nun aus: Konzipiert als Standort für wissenschaftliche Kooperation zwischen den Forschungseinrichtungen, der Humboldt-Universität (HU) und Hochtechnologieunternehmen, bietet der Wissenschaftsstandort Adlershof heute mehr Arbeitsplätze als vor der Wende. Die WISTA-Management GmbH, Betreibergesellschaft im Wissenschafts- und Technologiepark, verweist auf zweistellige Zuwachsraten pro Jahr. „Mittlerweile haben sich im gesamten Entwicklungsgebiet Adlershof 700 Unternehmen angesiedelt. Wir werden für Investoren immer interessanter“, freut sich Adlershof-Sprecher Peter Strunk.

„Diese Firmen kommen hierher, weil sie Partner wie uns finden“, sagt Direktor Günther Tränkle. Sein anwendungsorientiertes Institut für Höchstfrequenztechnik hat vor vier Jahren zusammen mit dem Technologiekonzern Jenoptik die Tochterfirma Jenoptik Diode Lab gegründet. Sie errichtet derzeit in Adlershof eine Fertigungsstätte für hochleistungsfähige Laserdioden – für sieben Millionen Euro. Ab Mai soll produziert werden.

Vernetzung, Wissenstransfer und Kooperation – das sind die wichtigsten Standortfaktoren des Technologieparks Adlershof: Humboldt-Universität und Forschungseinrichtungen arbeiten zu beiderseitigem Nutzen eng zusammen. Synergieeffekte entstehen unter anderem durch gemeinsame Professuren. So hat Ulrich Panne einen Lehrstuhl für die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) und das Institut für Chemie der Humboldt-Universität inne. Der Mathematiker Nicolas Gauger steht für die Verbindung des Deutschen Luft- und Raumfahrtinstituts (DLR) mit dem Institut für Mathematik der HU. Gauger arbeitet im Auftrag beider Institute für den europäischen Luftfahrtkonzern Airbus. Er soll innovative Optimierungsstrategien für die aerodynamischen Formen von Überschallflugzeugen finden. Dabei kann er auf das Wissen beider Institute zurückgreifen.

HU, IGAFA und WISTA haben sich zum Ziel gesetzt, die Kooperation auf dem Campus weiter zu verbessern: sie schaffen Kontakte, indem sie gemeinsam Veranstaltungen und Kolloquien organisieren, und sich um die Betreuung der internationalen Gäste kümmern. „Die vielfältige Vernetzung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen bezeugen unter anderem rund 700 Kooperationen mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus über 40 Ländern“, sagt die Leiterin des Wissenschaftsbüros der IGAFA, Ursula Westphal. Ein kontinuierlicher Anstieg sei auch bei den von den Forschungseinrichtungen eingeworbenen Drittmitteln zu verzeichnen. Aktuell tragen diese rund ein Drittel zum 140 Millionen Euro umfassenden Gesamthaushalt der Institute bei.

Weitere Informationen unter:

www.adlershof.de

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