Admiralspalast : Musik ist Liebe

Jeden ersten Montag im Monat lädt Mark Scheibe zu seiner „Berlin Revue“ – mit 15-köpfigem Orchester und Überraschungsgästen.

Die 17, was ist das eigentlich für eine Zahl?, fragt Mark Scheibe und beteuert in Mathelehrermanier, das wolle man jetzt mal gemeinsam herausfinden. Es folgt eine wirre Zahlenfolge, Addition und Substraktion, Chaos, Gelächter. Lehrreich? Nö. Lustig? Ja! Nonsenspädagogik am Klavier als Einstieg in eine Musikshow, das ist echt Scheibe. Denn obwohl er in seiner „Berlin Revue“ berühren und nicht nur amüsieren will, passiert Letzteres ganz nebenbei. Jeden ersten Montag im Monat läuft die Show mit Gastgeber, Gästen und 15-köpfigem Orchester vor vollem Haus im Admiralspalast 101. Ausgabe 18 folgt am 1. März.

Mark Scheibes Ausdrucksrepertoire reicht vom zuckrigen Plauderer über den nervösen Nöler bis zum subversiven Sarkasten. Schick gekleidet ist er außerdem. Seine Haartolle, die er zum fidelen Eingangssong der „Berlin Revue“ stets wild schüttelt, gibt es inzwischen als Kunstlocke mit Klettband für 9 Euro am Souvenirtresen. „Musik ist Liebe“ ist aufs Halteband gestickt, Scheibes kultiges Motto. Nach Berlin ist der 41 Jahre alte Bremer gleich zweimal gekommen: zuerst Mitte der Neunziger, als er dem Tanztheaterfex Johann Kresnik als Ballettrepetitor an die Volksbühne folgte. „Da wohnte ich in einem besetzten Haus in Mitte“, erinnert er sich, „aber denen gefielen meine Anzüge nicht.“ Und dann endgültig 200, als hier seine Tochter Lola geboren wurde und er vor allem verhindern wollte, „eine lokale Berühmtheit in Bremen zu werden“. Daran hat der musikalische Autodidakt als Fernseh- und Theaterkomponist, Playbackproduzent und vor allem als ständiger Pianopartner von Jörg Thadeusz beim Satiremagazin „Extra Drei“ gearbeitet. Mit Thadeusz arbeitet er immer noch, als musikalischer Leiter und Pianist der RBB-Talkshow „Dickes B.“ Und inzwischen konzertiert und komponiert er auch für das Goethe-Institut.

Beim hauptstädtischen Clubpublikum ist Scheibe als Erfinder und Gastgeber des schrillen Montagsclubs in der Hotelbar in Prenzlauer Berg berühmt geworden. Und ein Gutteil dieser feierfreudigen Mitmachtruppe ist inzwischen Stammpublikum der „Berlin Revue“. „Ich will Amüsement, aber auch Tiefe“, sagt Scheibe. „Die Unterhaltung liegt mir sehr am Herzen, deswegen betreibe ich sie mit großem Ernst.“ Das darf man getrost glauben, denn für jede Revue setzt sich Scheibe hin und schreibt Arrangements. Am Anfang hat das zwei Wochen gedauert, jetzt ist Scheibe schneller geworden. „Ich gehe mit einer musikalischen Idee schwanger, und Sonntagabend kommt dann die Melodie raus.“

Jeder seiner Showgäste, zu denen Bernd Begemann, Iris Romen, Cora Frost, Johanna Zeul, Anna Lanfer, Oliver Polak, Elke Brauweiler, Bodo Wartke, Martingo oder Nikko Weidemann gehören, wird von fettem Orchestersound begleitet. Das hebt den ohnehin hochklassigen Talentschuppen deutlich auf Glamourniveau und zitiert zugleich unaufdringlich die Geschichte des Amüsiertempels Admiralspalast. „Diese Verschwendung, Musik extra für einen Abend zu komponieren, die will ich haben“, spricht Herr Scheibe und sieht dabei gar nicht wie ein Nostalgiker aus. Er wolle Romantik und Rausch, dazu sei ihm jedes Mittel recht: egal ob Swing, Tango, Soul oder Walzer. „Die Stile sind nur Klangfarben, mit denen ich male.“ Sogar vor Gunter-Gabriel- oder Roland-Kaiser-Songs macht er nicht halt.

Besonders am Herzen liegen ihm gerade romantische Balladen. Er höre viele Liebeslieder, sagt Mark Scheibe, der gerade zwölf neue Songs geschrieben hat. Im Herbst sollen sie als Album herauskommen. Dann folgt eine Tournee. Leidenschaft sei wichtig, findet Scheibe, Perfektion auch, aber nicht, ob in der immer ein bisschen improvisiert wirkenden Revue ein Notenständer umfällt. Mit den Orchestermusikern geprobt wird immer erst am selben Tag. Macht nix, sagt Scheibe. „Das Publikum spürt, wo was echt ist, wo es brennt.“ Genau. Musik ist schließlich Liebe, wie es im Rausschmeißersong heißt.

Premiere 1.3., 20 Uhr, Die „Berlin Revue“ findet jeden ersten Montag im Monat statt.

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