Zeitung Heute : Adrenalin macht attraktiv

Aufregende Erlebnisse bringen Schwung in die Beziehung – Tipps für den 14. Februar

Silke Zorn
Leidenschaft kommt im Alltag oft zu kurz. Der Valentinstag ist eine schöne Gelegenheit, das zu ändern. Foto: picture-alliance/dpa
Leidenschaft kommt im Alltag oft zu kurz. Der Valentinstag ist eine schöne Gelegenheit, das zu ändern. Foto: picture-alliance/dpaFoto: picture-alliance / dpa

Ein Strauß roter Rosen steht auf dem Küchentisch, als Stefanie von der Arbeit kommt – und am liebsten würde sie ihn kopfüber in den Papierkorb stopfen. „Wir sind seit drei Jahren zusammen, und du weißt immer noch nicht, dass ich die total kitschig finde“, platzt es später am Abend aus ihr heraus. Freund Jens ist sauer, der Valentinstag im Eimer.

„Geschenke müssen nicht teuer sein, aber sie sollten zeigen: Ich kenne dich und habe mir Gedanken gemacht, worüber du dich freuen würdest“, sagt der Berliner Paartherapeut Christoph Uhl. Das könne natürlich auch ein Rosenstrauß sein, wenn man weiß, dass der Partner diese Blumen mag. Aber etwas mehr Einfallsreichtum schadet ebenfalls nicht. „Ein Freund von mir hat für seine Freundin mal ein kleines Hörspiel aufgenommen“, erzählt Uhl. „Wer kreativ ist, kann ein Gedicht schreiben oder ein Bild malen“ – eben all das, was am Anfang einer Beziehung selbstverständlich ist und dann im Laufe der Jahre immer mehr einzuschlafen droht.

Auch gemeinsame Unternehmungen sind ein schönes Valentinsgeschenk. Denn bei seiner Arbeit mit Paaren beobachtet der studierte Sozialpädagoge häufig das gleiche Problem: Die Zeit zu zweit kommt einfach zu kurz. „Deshalb sind wiederkehrende Rituale, Auszeiten vom Alltag, in einer Beziehung wichtig. Der Valentinstag ist da eine schöne Gelegenheit.“ Also nichts wie hin zum Lieblingsitaliener oder in den Kinofilm, den man sich seit Ewigkeiten ansehen wollte und es nie geschafft hat. Dass der 14. Februar in diesem Jahr ein Montag ist, sollte für findige Verliebte kein Hindernis sein. „Wer etwas Größeres plant, könnte zum Beispiel vorher heimlich beim Arbeitgeber anrufen und den Partner mit einem freien Tag überraschen“, schlägt Christoph Uhl vor.

Und den verbringt man dann am besten im Hochseilgarten, auf der Kartbahn oder beim Segelfliegen. Denn bereits in den 70er Jahren haben Untersuchungen gezeigt: Wird Adrenalin ausgeschüttet, finden Frauen und Männer sich gegenseitig attraktiver. „Es muss ja nicht gleich Eisklettern sein“, beruhigt die Psychologin und Buchautorin Felicitas Heyne. Den entscheidenden kleinen Kick bekomme man auch beim Tangotanzen oder Tennisspielen – aber eben nicht auf dem heimischen Sofa. Auch Langzeitbeziehungen tun gemeinsame Unternehmungen gut. „Man hat herausgefunden, dass aktive Paare auf Dauer zufriedener sind als Partner, die es lieber ruhig angehen lassen, kochen oder fernsehen“, erzählt Heyne. Wichtig sei, dass man sich hin und wieder aus dem Alltag heraus katapultiere und die Partnerschaft zelebriere.

Hinzu kommt: Gemeinsame Erlebnisse schaffen Erinnerungen, die einen weit länger begleiten als die neue Uhr oder das Grußkärtchen. „Da sitzt man dann unter Umständen noch Jahre später zusammen und sagt: Weißt du noch, damals? So etwas ist ganz wichtig für eine stabile, glückliche Partnerschaft“, so die Psychologin.

Und was, wenn der oder die Liebste nun partout ein Valentinsmuffel ist, wenn man weder Blumen noch Bungee Jumping erwarten darf? Das ist zwar schade, aber für sich genommen noch kein Grund zur Sorge, meint Felicitas Heyne. „Manche Menschen halten einfach nichts von solchen offiziellen Anlässen. Ist der Partner ansonsten aufmerksam und liebevoll, sollte man versuchen, darüber hinwegzusehen.“ Gibt es nach zehn Jahren roter Rosen aber plötzlich nur noch ein müdes Küsschen zum Tag der Liebe, sollte man aufhorchen. „Das kann dann schon ein Zeichen dafür sein, dass die Beziehung bröckelt.“ Silke Zorn

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