Zeitung Heute : Ägypten in Aufruhr

Blutige Krawalle nach Todesurteil für Fußballfans – Tote und Verletzte in Port Said.

In Kairo hat das Oberste Strafgericht Ägyptens am Samstag 21 Fußballfans aus Port Said zum Tode verurteilt und damit in der Suezkanal-Stadt schwere Krawalle ausgelöst. Bis zum Nachmittag starben mindestens 22 Menschen und über 200 wurden verletzt, als eine Menge versuchte, das Stadtgefängnis zu stürmen und die Verurteilten zu befreien. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte mit automatischen Waffen auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt. Das Innenministerium in Kairo sprach von „gewaltsamen und blutigen Zusammenstößen“ in Port Said und erklärte, das Gefängnis werde weiterhin von Demonstranten unter Feuer genommen. Präsident Mohammed Mursi sagte seine für Sonntag geplante Reise zum Afrika-Gipfel nach Addis Abeba ab und rief das Militär zu Hilfe, um die Unruhen einzudämmen. Panzer fuhren vor allen wichtigen Regierungsgebäuden in Port Said auf. Mursi wird am kommenden Mittwoch zu einem zweitägigen Besuch in Berlin erwartet und will anschließend weiter nach Paris reisen.

Die zum Tode verurteilten waren nach Ansicht des Gerichts vor einem Jahr an den schlimmsten Fußballkrawallen in der Geschichte Ägyptens beteiligt, bei denen 74 Menschen starben und über 1000 verletzt worden waren. Die ägyptische erste Fußball-Liga ist seitdem unterbrochen. Sie soll nun am 1. Februar in eine neue Saison starten. Die Verwandten und Freunde der Opfer jubelten, die Fans von Al Adly feierten auf dem Clubgelände in Zamalek im Zentrum von Kairo den Richterspruch, schossen Feuerwerksraketen in den Himmel und fuhren mit einem hupenden Autokorso durch die Straßen. Zwei Tage zuvor hatte Präsident Mohammed Mursi die 74 Getöteten von Port Said zu offiziellen „Märtyrern der Revolution“ erklärt, so dass ihre Angehörigen jetzt Anspruch auf ein Schmerzensgeld von umgerechnet 12 000 Euro und eine monatliche Rente von 250 Euro haben.

Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich alarmiert über die eskalierende Gewalt in Ägypten. „Ich sehe mit Sorge, dass es immer noch nicht gelingt, die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen“, sagte er am Samstag.

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