Zeitung Heute : Ägypten sucht die Schuldigen der Krawalle

Fifa-Präsident Blatter: Schwarzer Tag für Fußball.

Kairo - Nach den tödlichen Krawallen am Rande eines Fußballspiels in Ägypten haben sich wütende Demonstranten in Kairo Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Die Anhänger des Kairoer Fußballclubs Al-Ahly machten den Chef des Militärrats, Hussein Tantawi, für den Tod von 74 Fußballfans am Vorabend in Port Said verantwortlich. International wurde eine Aufklärung der Gewalt vom Mittwochabend gefordert.

„Dies war kein Sportunglück, dies war ein Militärmassaker!“, riefen die tausenden Demonstranten, als sie vom Sitz des Fußballclubs zum zentralen Tahrir-Platz marschierten. Als die Demonstranten weiter zum Innenministerium vordringen wollten, setzte die Polizei Tränengas gegen sie ein; nach Angaben von Ärzten wurden mindestens 20 Menschen verletzt. Die Demonstranten warfen Steine auf die Polizisten. Als Konsequenz aus den Ausschreitungen trat der Gouverneur der Stadt zurück. Wie Regierungschef Kamal al Gansuri am Donnerstag mitteilte, wurden auch der Sicherheitschef von Port Said und die Führung des Fußballverbands ihrer Ämter enthoben. Der Präsident des Fußballverbandes Fifa, Sepp Blatter, sprach von einem „schwarzen Tag für den Fußball“.

Nach den schweren Krawallen wurden Vorwürfe laut, die Sicherheitskräfte hätten nicht rechtzeitig eingegriffen. Im Fernsehen war zu sehen, wie Reihen von Polizisten inmitten des Chaos tatenlos herumstanden. Die Polizei erklärte, es seien ausreichend Kräfte präsent gewesen, sie hätten jedoch Anweisungen gehabt, sich bei Protesten zurückzuhalten.

Am Nachmittag hielt die Regierung ein Krisentreffen ab. Der regierende Oberste Militärrat rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Die bei der Parlamentswahl siegreichen islamistischen Muslimbrüder sprachen von „geplanten“ Ausschreitungen. Sie seien eine „Botschaft der Anhänger des alten Regimes“ sagte der Abgeordnete Essam al Erian. AFP/Tsp

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