Zeitung Heute : Ägyptens Armee erwartet neue Unruhen Dutzende Tote Auswärtiges Amt warnt vor Reisen

Auf der Hut. Bewaffnete Bereitschaftspolizisten und Soldaten bezogen am Samstag Stellung an mehreren Kreuzungen und Brücken der Hauptstadt Kairo. Foto: Louafi Larbi/Reuters
Auf der Hut. Bewaffnete Bereitschaftspolizisten und Soldaten bezogen am Samstag Stellung an mehreren Kreuzungen und Brücken der...Foto: REUTERS

Kairo - Ägyptens Armee und Polizei haben sich auf neue Zusammenstöße mit Anhängern der entmachteten Staatsführung vorbereitet. Bereits am Freitagabend und in der Nacht zum Sonntag waren landesweit nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 30 Menschen getötet und mehr als 1100 verletzt worden; es wurde erwartet, dass die Ernennung des neuen Regierungschefs el Baradei die gewalttätigen Auseinandersetzungen weiter befeuern würden. Am Samstag bezogen bewaffnete Bereitschaftspolizisten bereits früh Stellung an mehreren Kreuzungen und Brücken der Hauptstadt Kairo. Besonders angespannt war die Lage rings um die Universität, wo die islamistischen Muslimbrüder Barrikaden errichteten und den Sicherheitskräften Porträts ihres Idols Mohammed Mursi entgegenreckten. Mursi war am Mittwoch nach tagelangen, teils blutigen Protesten vom Militär abgesetzt worden.

Zuvor war die Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Staatschefs sowie Soldaten am späten Freitagabend weiter eskaliert. Das Blutvergießen hatte am Nachmittag begonnen, als in Kairo zehntausende Islamisten auf die Straße gingen, um ihrer Wut über den Putsch der Militärs Luft zu machen. Als sie vor eine Kaserne der Republikanischen Garde zogen, wo sie den abgesetzten Mursi vermuteten, eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf die Demonstranten. Mindestens zwei Menschen starben. Auch in der Nähe des Tahrir-Platzes prallten Mursi-Anhänger und -Gegner aufeinander. Die Muslimbrüder, aus deren Reihen Mursi stammt, riefen die Menge am Freitagabend auf, so lange auf der Straße zu bleiben, bis dieser wieder an der Macht sei. „Wir werden ihn (Mursi) auf unseren Schultern tragend (ins Amt) zurückbringen“, rief ihr Führer Mohammed Badia Zehntausenden zu. In Kairo nahmen Sicherheitskräfte in der Nacht zum Samstag den stellvertretenden Führer und Hauptfinanzier der Muslimbrüder, Chairat al Schater, fest. Inmitten der Turbulenzen um die Entmachtung seines Nachfolger ist am Samstag der Prozess gegen Ägyptens früheren Staatschef Hosni Mubarak in dessen Anwesenheit fortgesetzt worden.

Angesichts der jüngsten Entwicklung in Ägypten hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise am Samstag deutlich verschärft. Auf der Internet-Seite des Ministeriums hieß es, von Reisen nach Ägypten werde „ dringend abgeraten.“ Ausgenommen davon sind nur Nil-Kreuzfahrten, Reisen in dieTouristengebiete am Roten Meer und nach Luxor und Assuan. Auch der Transit über den Flughafen Kairo gilt als sicher. Hingegen wird vor Reisen ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet sowie in den Nordsinai nun sogar ausdrücklich gewarnt. Grundsätzlich empfiehlt das Außenministerium allen Ägypten-Touristen, Menschenansammlungen zu meiden. AFP/dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!