Zeitung Heute : Ähre, wem Ähre gebührt

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Ein Minister im Kornfeld. Kameragerecht geht der Landwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) in die Hocke und alle suchen den besten Ausschnitt. Den originellsten fand Wolfgang Schiffer, was diese Aufnahme aus den beginnenden neunziger Jahren beweist. Er gilt als bekanntester Agrarfotograf Deutschlands und hat nach seinem Tod 1999 ein Archiv mit etwa 600 000 Schwarzweiß- und 180 000 Farbaufnahmen hinterlassen. Einige der Schwarzweißfotos sind jetzt in dem Bildband "Bauernbilder" zu sehen. Der Wandel, der die Landwirtschaft von der Nachkriegszeit bis in die späten neunziger Jahre verändert hat, wird sinnlich erfahrbar. Eine Aufnahme zeigt einen Bauern, der mit dem Pferd sein Feld vor einer weiten Mittelgebirgskulisse pflügt, was fast romantisch anmutet, wäre nicht deutlich die Härte der Arbeit zu erkennen. Der Betrachter wird Zeuge der Geburt eines Kalbes, von heißen Debatten auf einer Viehausstellung oder einer Haussschlachtung. Die technischen Geräte werden immer perfekter, doch die harte Realität der Arbeit ist den Bauern, Bäuerinnen und Kindern anzusehen. Ein Begleittext und ein Porträt über Wolfgang Schiffer ergänzen den Band. Dem Metropolenbewohner, der an eine internationale Großstadtästhetik in der Fotografie gewöhnt ist, bietet sich mit den "Bauern-Bildern" die reizvolle Chance, einen Blick in eine ganz andere Welt zu werfen. Wolfgang Schiffer, 1927 in Köln geboren, hat als Sohn eines Bankangestellten die Welt der Bauern übrigens erst mit der Kamera entdeckt, als er in den Hungerjahren nach dem Krieg mit dem Fahrrad durch Deutschland zog.

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