Ältestes Berliner Shoppingcenter : Kino, Kunst, Kommerz

Das Europa-Center feiert vierzigsten Geburtstag und verändert sich derzeit kräftig

Cay Dobberke

Das Europa-Center wird 40 Jahre alt: Am 2. April 1965 hatte der damalige Regierende Bürgermeister Willy Brandt die Gebäude am Breitscheidplatz feierlich eröffnet. Das Baudenkmal ist das älteste Einkaufszentrum Berlins – und besonders vielseitig. Denn neben 70 Geschäften, dem 21-stöckigen Bürohochhaus und einem Parkhaus gehören dazu das Hotel Palace, das Kabarett „Die Stachelschweine“ und die „Thermen im Europa-Center“ mit einer großen Bade-, Sauna- und Wellnesslandschaft. Bis 1979 gab es sogar eine Kunsteisbahn im Center. Dazu kam das traditionsreiche Kino „Royal Palast“, das allerdings seit einem Jahr leer steht.

Derzeit ändert das Center sein Gesicht. Das Mövenpick-Restaurant wird modernisiert, und mehrere Läden zogen innerhalb des Hauses um, weil der Kinobau an der Tauentzienstraße abgerissen werden soll. Trotz langer Suche hatte sich kein neuer Kinobetreiber gefunden. Nun ist ein Neubau geplant, in den nach Tagesspiegel-Informationen die Elektronikmarkt-Kette Saturn ziehen will. Dies hängt allerdings davon ab, ob und wann das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf dem Abriss zustimmt. Noch vor kurzem hoffte die rot-grüne Mehrheit der Bezirkspolitiker, der Kinostandort sei zu retten. Aber ohne einen Investor aus der Filmbranche wird es dabei kaum bleiben können. Schließlich kostet der Leerstand das Center viel Geld und schmälert potenziell die Umsätze der Läden.

Esprit hingegen will im Herbst in größere Räume im nahen Salamander-Haus umziehen. Wer Nachmieter von Esprit wird, ist noch offen. Anlieger spekulieren auf die Modehandlung Mexx , die bisher den abrissbedrohten Kinobau nutzt.

Europa-Center-Chef Christian Pepper blickt jedenfalls optimistisch in die Zukunft. Er ist der Sohn des Gründers Karl Heinz Pepper, der 2003 im Alter von 93 Jahren verstorben war. Pepper Senior hatte sich an Vorbildern aus Amerika orientiert und wollte Berlin wieder auf eine Stufe mit anderen Metropolen stellen. Einst hatte auf dem Areal das berühmte „Romanische Café“ gestanden, doch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Gelände eine Brache. Verkaufsbuden und Zirkus-Gastspiele prägten das Bild, Zeitungen beklagten den „Schandfleck“. Dann kam Karl Heinz Pepper zum Zug. Er beauftragte die Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg. Als städtebauliche Berater beteiligten sich Werner Düttmann sowie Egon Eiermann, der als Architekt der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bekannt ist. Innerhalb von zwei Jahren wuchs das Center mit dem damals größten Hochhaus Berlins heran. Der 103-Meter-Bau fiel zudem durch seine Glas- und Alumiumfassade auf. Zu einem Wahrzeichen West–Berlins wurde der leuchtende, sich drehende Mercedes-Stern auf dem Dach.

Eine weitere Besonderheit ist die Wasseruhr: Die „Uhr der fließenden Zeit“ zeigt einen komplizierten Wasserkreislauf durch Glaskugeln und -säulen. Ähnlich ungewöhnlich ist die „Mengenlehre-Uhr“ mit farbigen, leuchtenden Feldern, die seit 1996 vor dem Touristen-Informationszentrum am Eingang Budapester Straße steht. Sie war in den 70er Jahren auf dem Kurfürstendamm aufgestellt worden, doch später wollte dort niemand mehr die Kosten tragen. Nun zahlen die Centermieter für den Betrieb.

Auf Umwegen fand auch der „Lotus-Brunnen“ seinen Platz. 1975 war das Kunstwerk in der Berliner Nationalgalerie installiert worden, es galt dort aber bald schon als Hindernis. 1982 kam der Brunnen als Dauerleihgabe in das Einkaufszentrum.

Die Einzelhandelskrise traf auch Mieter des Europa-Centers. „Erdmann Moden“ konnte sich nicht gegen billigere Läden in der Tauentzienstraße behaupten und schloss 1999. Das Medienkaufhaus Libro blieb sogar nur ein Jahr lang, bis 2001 das Aus durch die Pleite des österreichischen Mutterkonzerns kam.

Jetzt richten sich die Hoffnungen der Händler auch auf die laufende Umgestaltung des Breitscheidplatzes. Rund um den „Wasserklops“-Brunnen sind Bauarbeiter für das Bezirksamt tätig, um den Platz zu verschönern. Gleichzeitig bereitet die Stadtentwicklungsverwaltung des Senats die Schließung des Autotunnels in der Budapester Straße vor, damit Passanten die Straße künftig leichter überqueren können. Bis zur Fußball-WM 2006 soll alles fertig sein.

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