ÄRGER IM VATIKAN : Was ist mit der „Gay Lobby“?

Die Frage, auf die der Papst im Flugzeug mit Äußerungen zur Homosexualität reagierte, bezog sich auf die sogenannte „Gay Lobby“ im Vatikan. Franziskus hatte kürzlich als erster Papst unumwunden

zugegeben, dass sie existiert – und war in Probleme geraten. Zum „geistlichen Begleiter“ für die umstrittene Vatikanbank IOR hatte er kürzlich nämlich Monsignore Battista Ricca ernannt; er schätzt ihn als Direktor des Vatikan-Gästehauses „Santa Marta“, wo er wohnt. Doch der Priester Ricca, so wurde es Journalisten aus hohen Kirchenkreisen zugesteckt, soll mit einer schwulen Vergangenheit heftigen Ärger erregt haben: Aus der päpstlichen Botschaft in Uruguay habe man ihn wegen innigen Zusammenlebens mit einem Schweizer und wegen Verkehrs in zweifelhaften Lokalen entfernt, heißt es. Der Papst sagte jetzt im Flugzeug, von all dem habe er in Riccas Personalakte „nichts gefunden“. In Rom reißen die Spekulationen nicht ab: Ist die Akte von interessierten Kreisen – im Interesse opportunistischen Schweigens – vielleicht gereinigt worden? Oder haben rivalisierende Dunkelmänner im Vatikan die Gelegenheit genutzt, Franziskus’ Säuberungsversuche beim IOR zu stoppen? Eine offizielle Klärung wird noch erwartet. pak

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