Zeitung Heute : Ärzte informierten die Polizei nicht

Der Tagesspiegel

Ein 16-Jähriger wird bei der Explosion einer Bombe, die sein Kumpel bastelte, schwer verletzt. Der Jugendliche liegt, wie berichtet, schwer verletzt im Krankenhaus und ist noch immer nicht ansprechbar. Erst zwei Tage nach dem Vorfall erfuhr die Polizei davon - weil ein Angehöriger des Verletzten die Behörde informierte.

Warum in diesem Fall die Polizei von dem Unfall nicht sofort unterrichtet wurde, ist ungeklärt. Falls bei einem Unfall die Feuerwehr zu Hilfe gerufen wird, benachrichtigt die Leitstelle auch sofort die Polizei. Auch die behandelnden Ärzte in den Rettungsstellen der Krankenhäuser haben ihre Anweisungen, in welchen Fällen die Polizei zu benachrichtigen ist: „Bei Sprengstoffverletzungen müssen wir Meldung machen“, sagte ein Rettungsarzt dem Tagesspiegel.

Andererseits gibt es die ärztliche Schweigepflicht, die die Auskunftsbereitschaft der Mediziner einschränkt. Gesetzlich allerdings sind sie verpflichtet, die Sicherheitsbehörden zu informieren, wenn sie von Mord oder Totschlag, Menschenraub, Völkermord oder terroristischen Angriffen erfahren. Lediglich für Geistliche besteht nach Paragraph 139 Strafgesetzbuch eine absolute Schweigepflicht. Auch bestimmte ansteckende Krankheiten, wie die Ebola-Seuche müssen von den Ärzten gemeldet werden, um Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung treffen zu können. Die meisten Kliniken haben Anweisung erlassen, dass in Fällen, in denen bei Kindern Spuren von körperlicher oder sexueller Gewalt festgestellt wird, ebenfalls die Polizei einzuschalten ist.

In Todesfällen müssen Ärzte die so genannte Leichenschau vornehmen und auf dem Totenschein die Ursache bennen. Drei Kategorien stehen zur Auswahl: natürlich, nicht natürliche und ungeklärte Todesursache. In den beiden letzten Fällen schaltet sich automatisch die Polizei ein und lässt über eine Obduktion der Leiche klären, wie der Mensch ums Leben kam. weso

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