Zeitung Heute : Äste aus Nachbars Garten zerlegen

Brigitte Grunert

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Glück gehabt! Eine Pfütze im Keller, eine Pfütze in der Garage, sonst ist nichts weiter passiert. Kyrill und der stürmische Regen in seiner Begleitung sind gnädig an uns vorübergefegt. Der erste Gedanke der Rentnerin bei diesem Orkan war überhaupt: Wie gut, dass die Kiefer weg ist.

Damals, während des schweren Unwetters im Sommer 2002, war ein tragender Ast unserer Kiefer im Garten weggesplittert und krachend in den Wald gestürzt, an den das Grundstück grenzt. Glück gehabt! Er hätte auch gegen das Haus fallen und mächtigen Schaden anrichten können. Sicherheitshalber ließen wir die labile Kiefer fällen, natürlich mit Genehmigung des Bezirksamtes. Was war das für ein Hin und Her um die Standfestigkeit der Kiefer, ob ihre Beseitigung „das Landschaftsbild verändern“, ob sie künftige Stürme aushalten würde oder nicht.

Nachdem sich nun Kyrill längst in Luft aufgelöst hatte, bekam die Rentnerin doch noch einen Schreck. Da entdeckte sie im Garten mächtiges Tannengeäst, das sich gar nicht anheben ließ. Große und kleine Zweige hatten sich senkrecht in den Rasen gebohrt. Das Gehölz stammte von der riesigen stolzen Blautanne in Nachbars Garten, war also mit Urgewalt ungefähr 30 Meter durch die Gegend gewirbelt worden. Zum Glück hat uns Kyrill das Monstrum nicht aufs Dach geschleudert.

Die Rentnerin, gerade allein zu Hause, machte sich kurzentschlossen mit der Säge und der Gartenschere daran, das Astwerk kleinzukriegen, bis ein langer armdicker Knüppel übrig blieb, den sie in den Wald schleifen konnte. Bloß nicht warten, bis der Frost kommt, dachte sie. Ach, der Kampf war gar nicht so schlimm, anderswo brauchte man Kettensägen, um Straßen und Grundstückseinfahrten freizukriegen. Den beiden Eichen im Garten hat Kyrill nichts anhaben können.

Im Sommer ist so ein schweres Unwetter womöglich noch gefährlicher, und nach den Prognosen der Fachleute müssen wir ja künftig öfter damit rechnen. Na ja, Glück muss man haben. Doch vor allem muss man auf die Bäume aufpassen.

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