Zeitung Heute : Affentheater

Der Tagesspiegel

Von Stephan Wiehler

Wer am heutigen Sonnabend um 19.30 Uhr das ZDF einschaltet, wird mächtig staunen. „Unser Charly“, der lustige Fernsehaffe von nebenan, schmuggelt sich heimlich unter eine menschliche Reisegruppe und besucht das Rote Rathaus. Zunächst fällt der Schimpanse den Touristen gar nicht auf. Entweder, weil Charly so menschlich wirkt oder die Touristen so äffisch. Warum Charlys Tarnung dann ausgerechnet im Roten Rathaus auffliegt, bleibt ebenso rätselhaft.

Der Schimpanse ist übrigens nicht der Einzige, dem es gelungen ist, sich ins Rote Rathaus zu schmuggeln. Auf seinen Streifzügen durch die Büros trifft Charly auf einen alten Bekannten: Eberhard Diepgen mimt den Regierenden Bürgermeister. Der CDU-Politiker schüttelt dem Affen die Hand und lässt ihn sogar auf seinem Chefsessel sitzen, als sei nichts gewesen und die Große Koalition ungebrochen.

Bevor Sie als Berliner Zuschauer heute Abend zum Telefonhörer greifen und das Zweite Deutsche Fernsehen fragen, ob Sie Bankenskandal, Finanzkrise, Koalitionsbruch und Neuwahlen etwa nur geträumt haben, müssen wir Sie enttäuschen. Der Regierende heißt immer noch Klaus Wowereit, und Eberhard Diepgen ist lediglich ein Sparopfer des ZDF. Eigentlich sollten die mit Diepgen abgedrehten Szenen mit dessen Nachfolger neu produziert werden. Doch aus Kostengründen blieb es bei der alten Folge, erklärte Produktionsleiter Stefan Hiller. Allerdings habe man einige Einstellungen geändert, damit das Büro nicht als das des Regierenden Bürgermeisters erkennbar sei. Schließlich soll Charly kein Affentheater im Rathaus anrichten.

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